Unterwegs in der Mongolei

Bilder aus der Mongolei sehen immer so wild-romantisch aus: Sanfte, grasgründe Hügellandschaften, einsame Jurten, glückliche Pferde die wiehernd vorbeigaloppieren… Und das schöne daran ist: Genau so ist die Mongolei! Aber damit man diese traumhaften Fotos überhaupt machen kann, zahlt man einen hohen Preis: Reisen in der Mongolei ist höchstwahrscheinlich die strengste und unangenehmste Art zum Reisen überhaupt! Aber nun alles der Reihe nach:

In Ulan Bator, der (abgesehen von Novosibirsk) wahrscheinlich hässlichsten Stadt der Welt, buchten wir eine 9-tägige Tour, um Gobi zu erkunden. Unter Gobi verstehen die Mongolen nicht bloss die Wüste – Gobi ist diese grüne (aber äusserst staubige und trockene) Steppenlandschaft, die wir vor Augen haben, wenn wir an die Mongolei denken. Diese Region ohne ortskundigen Fahrer zu bereisen wäre eine ziemlich herausfordernde Angelegenheit: Vom 20’000 km umfassenden Strassennetz der Mongolei sind nur gerade 10 % geteert. Alles andere sind holprige, mehrspurige Feld- und Wiesenwege (Wald sucht man – abgesehen vom Norden der Mongolei – ziemlich vergebens), die sich immer wieder in alle Himmelsrichtungen verzweigen. Wegweiser oder Ortsangaben gibt es praktisch keine. Es ist uns immer noch ein Rätsel, wie und woran sich unser Fahrer orientieren konnte. Unser Ziel haben wir jedenfalls immer erreicht.

Auffallend sind die abwechslungsreichen Landschaften, durch die man fährt. An der wunderschönen Natur, wilden Bächen, den Pferden, Schafen Ziegen und Kamelen kann sich kaum sattsehen. Und sollte man während der Fahrt tatsächlich einmal einschlafen, wird man garantiert spätestens nach 5 Minuten durch eine Unebenheit auf der Piste geweckt, die einem durch das ganze Fahrzeug wirbeln lässt. Wir waren jeweils froh, wenn wir am Abend nach mehrstündigen Fahrten ohne Pannen endlich unser Ziel erreicht haben. Und genau das ist das grösste Problem beim Reisen in der Mongolei: Man legt unendlich grosse Distanzen zurück zwischen den Sehenswürdigkeiten. (Unter „grossen Distanzen“ verstehen wir etwa 250 km. Aber dafür braucht man locker 8 Stunden.)

Übernachtet haben wir teilweise in einfachen Jurten-Camps, und teilweise bei den Nomadenfamilien. Dies war immer besonders spannend, da uns dies einen authentischen Einblick in das harte Leben dieses naturverbundenen Volkes gab. Ein grosser Teil der Mongolen lebt noch als Nomaden. Doch natürlich haben sich die Menschen hier der Zeit angepasst: Kaum eine Jurte, vor der nicht eine Sattelittenschüssel, eine Solarzelle und mindestens ein Motorrad steht. Gewöhnungsbedürftig waren vor allem auch die Speisen, die wir probieren durften. Da die Mongolei alles andere als ein fruchtbares Land ist (nur gerade 1 % der Fläche wird für Ackerbau benutzt), leben die Nomaden praktisch nur von tierischen Produkten, sprich Fleisch und Milch, welche dafür in allen erdenklichen Variationen erhältlich sind. Pferdemilch gemischt mit Vodka (Airag) schmeckt meines Erachtens wie saurer Most und ist bei den Mongolen sehr beliebt. Mehr Mühe hatten wir mit den verschiedenen Käsesorten, die teilweise wie Kekse gegessen werden und, um es gelinde auszudrücken, einen sehr eigenen Geschmack haben. Die wahrscheinlich ursprünglichste und originalste Form des bei uns populären „mongolischen BBQ’s“ ist eher abschreckend: Da es kein Holz gibt, werden getrocknete Kuhfladen als Brennmaterial verwendet. Und warum sollte man einen Grill kaufen, wenn man das Fleisch direkt auf diesen glühenden Kuhfladen braten kann???

Wer sich für einen Trip durch Gobi entscheidet, sollte wirklich mit wenig Komfort leben können: Die Betten in den Jurten sind hart, duschen kann man sich (wenn überhaupt) im Bach oder an den Kameltränken, Toiletten sind sowieso ein Thema für sich (wo versteckt man sich wenn alles flach ist und keine Bäume vorhanden sind?) und die Nächte sind teilweise bitterkalt. Dafür wird man mit wunderschöner Natur, spektakulären Gesteinsformationen oder Landschaften wie aus den Winnetou-Filmen belohnt. Und der endlose Sternenhimmel ist schlicht und einfach einzigartig (wenn es doch nur nicht so saumässig kalt wäre in den Nächten!)

 

Zu erzählen gäbe es noch so viel – unsere Begegnungen mit Schlangen, ungewollter nächtlicher Besuch in der Jurte oder die Visa-Willkür der chinesischen Botschaft. Womit wir bereits beim nächsten Thema wären: Unser nächstes Reiseziel ist China – das steht schon fest. Wohin es nachher geht, ist noch offen. Momentan ist Südkorea unser grosser Favorit. Aber darüber entscheiden wir, sobald wir in Peking einen „Hot Pot“ geniessen und unsere blauen Flecken vom Pferde-Ausflug im Norden der Mongolei (Lake Khösgöl) abgeschwollen sind.

 

Wir haben nach wie vor riesigen Spass am Reisen. Jeder Tag bringt neue Abenteuer und wunderbare und inspirierende Begegnungen mit Einheimischen und anderen Reisenden (siehe Artikel „Verschiedene Begegnungen in der Mongolei“). Wir geniessen jeden Tag und sind unglaublich dankbar für unsere Freiheit, und dass wir das grosse Glück haben, so eine Reise unternehmen zu dürfen.

 

Über Feedbacks und News aus der Heimat freuen wir uns sehr! (Eure Kommentare auf dem Blog sehen nur wir – sie werden nicht veröffentlicht!)

 

Ob wir es schaffen, in China in den nächsten drei Wochen die Demokratie einzuführen oder ob wir bloss Poulet süss-sauer essen werden? Du erfährst es im nächsten Bericht! Bleib dran…

Liebe Grüsse,

Silvan & Veronica

Verschiedene Begegnungen in der Mongolei

Das Spannende am Reisen sind die unterschiedlichen Länder, Landschaften und Kulturen. Was eine Reise aber erst richtig interessant macht, sind die Begegnungen und Kontakte mit anderen Menschen! Besonders schön war zum Beispiel, dass wir die letzten beiden Wochen auf unserer Mongolei-Reise von Luisita, einer sehr guten Freundin aus Ecuador begleitet wurden. Immer wieder bereichernd sind die Kontakte mit anderen Reisenden. Im Norden haben wir beispielsweise am einsamen Khösgöl-See am Lagerfeuer unter dem Vollmond eine französische Familie mit zwei Kindern (6 Monate und2 ½ Jahre alt) kennen gelernt: Vor einem halben Jahr haben sie ihre erfolgreiche Firma in Frankreich verkauft. Mit dem Erlös haben sie sich einen zum Wohnmobil umgebauten alten Truck erworben, mit dem sie nun für 3 Jahre um die Welt reisen. Oder die vier Belgier, die wir zufällig immer wieder treffen, die mit 2 uralten 2CV-Fahrzeugen durch Kasachstan, Russland und die Mongolei tuckern.

Der Zufall wollte es, dass wir auch den einzigen Ecuadorianer, der in der Mongolei wohnt, kennen lernen durften. Seine Erfahrungen und Geschichten über den Alltag in der kältesten Hauptstadt der Welt gaben uns einen neuen Einblick in das Leben hier.

Die Kontakte mit den Mongolen waren ganz unterschiedlich: Am unangenehmsten sind ganz klar die ungewollten Begegnungen mit Betrunkenen, die sich aber fast nicht vermeiden lassen. (Leider ist Alkohol hier ein sehr verbreitetes Thema!) Diese Begegnungen sind nicht gefährlich, sondern einfach nur lästig. Ansonsten wirken die Mongolen auf uns eher zurückhaltend, aber hilfsbereit. Die Sprache ist sehr schwierig, und obwohl wir uns mit Händen und Füssen zu verständigen versuchen, kommt es immer wieder zu lustigen Missverständnissen: Als Veronica dringend eine Passkopie für unser China-Visum brauchte, ging sie in die nahegelegene Universität und fragte verschiedene Studenten nach „copy“, worauf sie immer wieder in die Cafeteria geführt wurde, da alle „Coffee“ verstanden haben. Oder nach dem „bezahlten Autostop“ (eine übliche Transportmethode) wollten wir gerne am Markt ausgeladen werden. Wir versuchten dies dem Fahrer und seinen beiden Begleiterinnen mit viel Zeichensprache klarzumachen. Sie lachten und gaben uns eindeutige Signale, dies verstanden zu haben. Als sie uns dann beim Busterminal abladen wollten, verstanden sie und wir die Welt nicht mehr – weitere Zeichensprache half nicht – und so sind wir dann halt vom Busterminal zum Markt gelaufen.

Betritt man die Jurte einer Nomadenfamilie, kriegt man als erstes immer etwas zum Essen und zu Trinken. Das ist anscheinend ein uraltes Gesetz. Man sitzt um den Ofen und versucht sich zu unterhalten, was aber nicht ganz einfach ist. Und obwohl die aufgetischten Speisen nicht unbedingt unserem Geschmack entsprechen und die Kommunikation stockt, sind dies immer wieder ganz spezielle Momente.

Eine Überraschung der besonderen Art erlebten wir, als wir am Flughafen von Khösgöl zwei Stunden festsassen, da unser Rückflug nach Ulan Bator umgebucht worden ist. Eine ortsansässige Mongolin, die wir beim Hinflug kennen gelernt haben, hat dies irgendwie mitgekriegt und ist von der Stadt extra zu uns zum Flughafen rausgefahren, um uns mit einem Zmittag zu überraschen, damit wir in diesen zwei Stunden nicht hungern müssen. Das war für uns Herzlichkeit in der reinsten Form!