Ab ins Kloster!

Myanmar ohne Buddhismus? Kann man sich nicht vorstellen! Buddhismus ohne Mönche? Geht nicht! Buddhistische Mönche ohne Meditation? Unmöglich! Sprich: Wenn man sich in Myanmar integrieren will, muss man sich auf jeden Fall mit der Religion und der Meditation auseinandersetzen.

Da wir ab August oder September planen, für mehrere Monate an „unserer“ buddhistischen Klosterschule in Sagaing Hill zu unterrichten, und weil wir schon immer mehr über Buddhismus und Meditation lernen wollten, beschlossen wir uns für 10 Tage in ein abgelegenes Kloster zurückzuziehen und diesen Wünschen nachzugehen.

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Pontschi, der Schulleiter von Aung Myae Oo, hat für uns das wohl bekannteste Meditationszentrum Myanmars ausgewählt und uns persönlich dort hingebracht. Auf dem Weg ins Kloster haben wir uns verschiedene Pagoden und andere bekannte religiöse Stätten angeschaut. Ein Gerücht besagt, dass es in Myanmar mehr Buddha-Statuen und Pagoden als Einwohner gibt. Und nach dieser Reise können wir bestätigen: An diesem Gerücht ist definitiv was dran!

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the Golden Rock

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Zugegeben, die Ankunft im Kloster war alles andere als sanft: Kaum angekommen, wurden Vero und ich buchstäblich auseinandergerissen, unsere Pässe wurden eingesammelt und wir wurden ins Bett geschickt. „Morgen um 3.30 Tagwache, um 4 Uhr beginnt die erste Meditation!“ lautete die Anweisung des verantwortlichen Mönchs – diese Worte waren zugleich Begrüssung und Verabschiedung.

…halt wie im Kloster!

Meine Zelle war, wie man sich eine Klosterzelle halt vorstellt: Ein Holzbrett zum schlafen (keine Matraze!) und weiter nichts. IKEA scheint in diesem Kloster noch ein Fremdwort zu sein…

Schnell gewöhnten wir uns an den für uns doch eher ungewöhnlichen Tagesablauf: Wie erwähnt die frühe Tagwache, Meditation, 6 Uhr Frühstück, Meditation, 10.30 Mittagessen (ab 12 Uhr darf strikte nichts mehr gegessen werden!), Meditation, Meditation, Meditation und dann früh ins Bett. Jeden zweiten Tag hatten Vero und ich Gelegenheit, uns für etwa eine Stunde zu treffen und uns ein wenig auszutauschen. Das Frauenkloster (nahe an einem Dorf) war gut 2 km vom Männerkloster, das ziemlich im Wald versteckt war, entfernt. (Bestimmt wurde das absichtlich so gemacht, damit die Männer nachts nicht ins Dorf abschleichen können um Bier zu besorgen.) Im Wissen, dass wir nur 10 Tage hier sind, konnten wir uns an fast alle, teilweise sehr strengen Regeln halten. Theoretisch hätten wir weder Handys benutzen noch mit anderen Insassen sprechen dürfen (es gab Nonnen, die einen Kleber „bitte nicht ansprechen“ auf ihrer Robe trugen). Auch Fernsehen, Schmuck, Bücher (abgesehen von buddhistischer Literatur) oder Musik waren verboten. Und für Mönche gilt anscheinend die klare Regel: Es darf NICHT im Stehen gepinkelt werden. Wie gesagt, an fast alle Regeln haben wir uns gehalten…

Meditation Hall

Meditation Hall (with Mosquito Protection)

Mehr als bloss „entspannen“

Bei uns im Westen kennt man Meditation vor allem (fälschlicherweise) als Entspannungstechnik. Jedoch – das haben wir in diesen 10 Tagen deutlich gelernt – steckt viel mehr dahinter. Möchte man sich richtig mit Meditation befassen, dann reichen 10 Tage bei weitem nicht aus. Um es in einem abstrakten Vergleich zu verdeutlichen: Wäre der „Umfang“ von der echten Meditation 1 Kilometer lang, dann haben wir während unserem Aufenthalt gerade mal 1 cm davon kennen gelernt. Verständlich?

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Tür an Tür mit einer Kobra

Viele der Mönche, die in diesem Kloster wohnen, leben in kleinen Holzhütten (sogenannten „Kutis“) abgelegen im Wald. Dort haben sie ihre Ruhe und können in der Einsamkeit mehrere Stunden täglich ungestört meditieren. Das heisst: Fast ungestört! Wäre da nicht Silvan gewesen! Auf meinen abendlichen Erkundungsspaziergängen bin ich teilweise bis zu den entferntesten Kutis vorgedrungen – stets bewaffnet mit einem Holzstock, um mich gegen Schlangen, die ab und zu meinen Weg kreuzten, verteidigen zu können. Eine spezielle Begegnung hatte ich bei einer kleinen Höhle, weit entfernt vom Kloster, am Fusse eines Abhangs. Seit sieben Jahren ist diese Höhle von einem Mönch bewohnt, der dort – wie könnte es anders sein – meditiert. Auf meine Frage, ob er keine Angst vor Giftschlangen habe, lächelt er sanft – so sanft, wie es halt nur ein buddhistischer Mönch kann. Dann zeigt er auf eine kleine Höhle, etwa drei Meter entfernt von seiner, und erklärt gelassen: „Seit Jahren lebt hier eine 2 Meter lange Kobra. Wir sind beste Nachbarn.“ „Das ist aber sehr gefährlich!“, war logischerweise meine Reaktion. „Die Kobra macht mir nichts – schliesslich bin ich Mönch!“ lautete seine Antwort, wieder untermalt von diesem sanften Lächeln. Was soll man auf dieses Argument noch erwidern? Aber anscheinend – wie ihr gleich nachher erfährt – hat er recht…

Cobra-Cave (on the left side is the entrance to the Monks cave)

Cobra-Cave (on the left side is the entrance to the Monks cave)

Kein typischer Mönch

Auf einem weiteren Spaziergang lernte ich zufälligerweise Mokkhita kennen: Auf den ersten Blick glich er mit seinen blauen Augen, dem nackten Oberkörper und seinem grossen Tattoo auf dem Oberarm überhaupt nicht einem buddhistischen Mönch. Er ist Deutscher, 33 Jahre alt und seit mehreren Jahren in diesem Kloster am meditieren. Seine Bekanntschaft war ein wahrer Gewinn: Er war der einzige Mönch, mit dem ich auch kontroverse Fragen zum Thema Buddhismus und Meditation klären konnte (die anderen Mönche wollten nicht darüber sprechen, da es sie zu sehr von der Meditation ablenkte). Ich durfte Mokkhita auch zu seinem Meditationsplatz, weit entfernt vom Kloster, auf einem Hügel mit traumhafter Aussicht, begleiten. Der Platz erinnert wegen seiner aussergewöhnlich schönen Lage an den „Königsfelsen“ aus dem Film „Lion King“. Wenn Mokkhita nicht als Naturarzt andere Mönche behandelt oder im Dorf auf Betteltour ist (wie es für buddhistische Mönche üblich ist), lebt, meditiert und schläft er auf diesem Hügel. Eine Mahlzeit pro Tag reich für ihn. Den Weg durch den Wald zu seinem Meditationsplatz lief er, wie immer, Barfuss. „Hast du keine Angst vor Schlangen?“, fragte ich auch ihn. „Die Schlangen machen mir nichts – schliesslich bin ich Mönch!“ – seine klare Antwort. Hab ich das nicht schon einmal gehört…?

Mokkhita on "his" rock next to his meditation place

  Mokkhita on „his“ rock next to his meditation place

Mokkhita treating his patients

Mokkhita treating his patients

Wertvolle Erfahrungen

Eines stand für uns nach diesen 10 Tagen Kloster fest: Mönch, resp. Nonne, werden wir bestimmt nie. Aber die Erfahrung möchten wir auf keinen Fall missen. Einmal während 10 Tagen auf jeglichen Komfort zu verzichten, und sich nur mit sich selber, der Meditation und der Lehre Buddhas auseinanderzusetzen, war sehr bereichernd. Zudem haben wir nun ein viel besseres Verständnis für die jungen Novizen und Nonnen, die wir in Aung Myae Oo unterrichten: Es ist – vor allem für Jugendliche – wirklich nicht einfach, täglich um 4 Uhr aufzustehen oder ab 12 Uhr nichts mehr essen zu dürfen.

Für unseren nächsten längeren Myanmar-Aufenthalt sind wir nun auf jeden Fall bestens gerüstet!

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monks queing for food

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Pagodas everywhere… No wonder is Myanmar called „the Golden country“

 

Zurück im „Goldenen Land“

The Golden Rock

The Golden Rock

Es war ein spezielles Gefühl, nach über drei Monaten wieder an „unsere“ Schule in Myanmar zurückzukehren. Wir haben den Ort Ende November mit schönsten Erfahrungen und Erinnerungen verlassen. Wie wird es wohl dieses Mal sein? Wie werden wir empfangen? Waren die Beziehungen, die wir damals aufgebaut haben, nur oberflächlich oder ist da mehr dahinter? Und wäre es nicht besser gewesen, es einfach bei den schönen Erinnerungen von damals zu belassen und nicht mehr zurückzukehren?

Nein! Da wir nach wie vor überzeugt waren, das Richtige zu tun, waren jegliche Zweifel und Unsicherheiten sofort wieder weggewischt. Und spätestens als wir in der Schule ankamen, und sofort von unseren ehemaligen Schülern und Freunden herzlich empfangen wurde, war für uns klar: Hier gehören wir hin!

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Bildung & Gesundheit

Unser letzter Einsatz im November war mit nur gerade 2 Wochen leider sehr kurz. Von den Englischkenntnissen, die sich die Kinder damals angeeignet haben, war nicht mehr viel übrig. Einmal mehr wurde uns klar: Wenn wir hier wirklich etwas bewegen möchten, müssen wir länger vor Ort sein. Dennoch war unser erster Einsatz enorm wichtig: Wir haben damit eine solide Basis für unsere zukünftige Tätigkeit geschaffen und wir konnten wichtige und vertrauensvolle Beziehungen zu SchülerInnen, Schulleitung und LehrerInnen aufbauen.

Gleich am zweiten Tag haben wir wieder angefangen zu arbeiten. Während ich mich mehrheitlich aufs Unterrichten beschränkte, hat Vero auch angefangen, eine saubere Schulapotheke aufzubauen.

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Frühe Hochzeit

Die Tage vergingen wie im Flug, und jeder Tag brachte wieder neue spannende Begegnungen und Erlebnisse. Einmal waren wir beispielsweise bei der Hochzeit einer Lehrerkollegin eingeladen: Im Vergleich zu „unseren“ Hochzeiten beginnen in Myanmar die Festivitäten bereits morgens um 7 Uhr. Die Männer werden mit Zigaretten, die Damen mit Blumen empfangen. Dann beginnt eine farbenfrohe Zeremonie mit endlosen Fotoshootings mit dem Brautpaar. Und dann gibt es (quasi zum Frühstück) so viel Kuchen und Eis, bis man beides nicht mehr sehen kann. Und dann ist auch schon 11 Uhr (vormittags), und die Hochzeit ist bereits vorbei.

As guests, we were dressed in the traditional Myanmar dress.

As guests, we were dressed in the traditional Myanmar dress.

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Zukunftspläne…

Obwohl wir uns bereits an die Herzlichkeit der Myanmaren gewöhnt waren, wurden wir immer wieder aufs Neue überrascht. Täglich wurden uns von Schülern, Freunden oder völlig unbekannten Leuten kleine Geschenke gebracht oder wir wurden zum Essen oder auf Drinks eingeladen. Und egal wo man hinschaut: Man wird garantiert angelächelt! Kein anderes Lächeln ist so ehrlich und kommt so direkt von Herzen wie das „myanmarische!“

Zwar schlafen wir hier ausschliesslich auf dem Boden, waschen uns mit schmutzigem Wasser und verzichten auf jeglichen Komfort. Trotzdem fühlen wir uns in Myanmar wohl wie nirgendwo sonst.

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Wie bereits angetönt, planen wir im Herbst 2015 ein drittes Mal ins „Goldene Land“ zurückkehren – dann aber gleich für mehrere Monate. Nur so können wir an der Schule langfristig und nachhaltig etwas aufbauen und den über 2100 Kindern zu einer besseren Zukunft verhelfen. Auch sind wir daran, eine Organisation zu gründen und Spenden zu sammeln, damit wir verschiedene Projekte realisieren können. (Weitere Infos dazu gibt es spätestens im Juni hier auf dem Blog.) Wir machen dies nicht aus politischen, religiösen und schon gar nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern einfach nur, weil

wir Spass daran haben und spüren, dass wir das Richtige tun.

Schon jetzt können wir es kaum erwarten, zurück nach Myanmar zu gehen.

Would it not be nice if every student had at least his own bed?

Would it not be nice if every student had at least his own bed?

Ab in den Süden!

Zuerst führt uns unsere Reise aber noch in eine ganz andere Richtung: Die nächsten drei Monate werden wir in „down under“ (Australien) verbringen. Dort werden wir uns aber mehr aufs Englisch lernen statt aufs Reisen konzentrieren. Wir freuen uns jetzt schon riesig auf echte Betten, Pizza, Müesli und all die anderen Annehmlichkeiten für „Körper und Seele“ aus der westlichen Welt!

Möchtest du Wissen was Australien abgesehen von Kängurus und Koalas sonst noch zu bieten hat? Oder hast Du gar Interesse, unser „Myanmar-Projekt“ zu unterstützen? Bleib dran – spätestens Anfang Juni erfährst du mehr!!!

Ganz herzliche Grüsse,

Silvan & Veronica

P.S: Mehr Fotos unter Fotos Asien / Myanmar 2

 

…gleich 7 neue Artikel

(Para Español: mira los artículos mas abajo / for English: check the next articles below)

Indien ist eigentlich unbeschreiblich. Aber…

Wir laden Dich herzlich ein, uns auf unserer Indien-Reise zu begleiten. Obwohl dieses Land eigentlich unbeschreiblich ist, haben wir einige Erlebnisse der letzten sieben Wochen in sieben spannenden Artikeln beschrieben. Damit du die Übersicht behältst, hier eine Kurzbeschreibung (Die Artikel findest du im Menu unter „Artikel Indien“):

Artikel „Unterwegs in Süd-Indien Teil 2“: Auch die letzen 4 Wochen waren gefüllt von unvergesslichen Abenteuern und Begegnungen. Hier erfährst du, was wir zwischen Tigern, Teeplantagen und Tempeln so alles erlebt haben. (Teil 1 findest du auf der Startseite weiter unten.)

Artikel „Zu Besuch im grössten indischen Slum“: Armut, Elend, Hunger, Arbeitslosigkeit & Kriminalität… treffen diese Beschreibungen wirklich auf das Leben in den Slums zu? In diesem Artikel erfährst du, wie die Realität im Slum wirklich aussieht.

 Artikel „Fotos – ein Geben und Nehmen“: Es ist wirklich nicht einfach, ein Superstar zu sein! Wir sind es – und das schon seit sieben Wochen! Erfahre mehr über unseren Alltag im Blitzlichtgewitter…

Artikel „Ellora & Ajanta“: Spektakuläre Tempelruinen – einfach unglaublich! Eigentlich müssten diese beiden Höhlen in einem Satz mit Machu Pichu oder den Pyramiden von Ägypten genannt werden. Lass dich verzaubern…

Artikel „Im Zug durch Indien“: Nirgendwo sonst erlebt man Indien so intensiv wie im Zug. Eindrücke einer abenteuerlichen Fahrt im wohl populärsten Verkehrsmittel Indiens.

Artikel „Indien intensiv“: Der Alptraum jedes Reisenden: Als Patient im Ausland auf der Intensivstation. Ein (sehr persönlicher) Erlebnisbericht über Glück im Unglück.

Artikel „Zwangs-Ehen, Korruption und Abfall“: „Ja, wir lieben Indien!“, schrieben wir in unserem ersten Artikel über dieses Land. Das tun wir definitiv. Dennoch möchten wir die Augen vor den teilwiese erschreckenden Schattenseiten nicht verschliessen…

Artikel „Warum Indien“: Eigentlich wollte ich (Silvan) niemals nach Indien! Und auch das Schicksal schien dies um jeden Preis zu verhindern. Welche Hürden wir überspringen mussten, um endlich hierher zu kommen, erfährst du in diesem Artikel.

Um die Artikel zu finden:

Klicke im Menu auf „Artikel Indien“. Dort kannst du die entsprechenden Artikel auswählen. Eine Auswahl wunderschöner Fotos findest du unter dem Menu: Fotos Asien/Indien.

Beste Unterhaltung ist auf jeden Fall garantiert! Viel Spass beim Lesen!

Gefällt Dir unser Blog? Wir geben uns beide viel Mühe für die Homepage, Artikel und Fotos. Es würde uns riesig freuen, wenn Du unsere Website und unsere Artikel weiterempfiehlst… Danke!

Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns bei allen LeserInnen, Kommentatoren, Followers etc. für Eure Treue, Feedbacks und natürlich fürs Interesse danken!!!

Nach wie vor möchten wir „unsere“ Schule in Myanmar unterstützen. Zu diesem Zweck reisen wir Mitte März zum zweiten Mal nach Sagaing Hill. Weitere Infos dazu unter „Spende Schule Myanmar“ oder im Artikel „Tu Gutes und sprich darüber“ (zu finden unter „Archive“, Monat Dezember). Oder auf der Homepage, die wir für die Schule erstellt haben: http://www.aungmyaeoo.com

Die nächsten Artikel werden wir wahrscheinlich Mitte April publizieren. Keine Ahnung, wo wir dann gerade sind… Bleib dran!!!

Herzliche Grüsse,

Silvan & Veronica

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Unterwegs in Süd-Indien (Teil 2)

Von Tigern, Tempeln und Teeplantagen

Auge in Auge mit dem Tiger...

Auge in Auge mit dem Tiger…

Die Bestie steht nur gerade 5 Meter von uns entfernt: Wir können ihm direkt in die Augen sehen. Er öffnet den Mund, zeigt uns seine furchterregenden Reisszähne: Was für ein Gefühl, einem Tiger so nahe zu sein…! Aber leider nur im Zoo von Mysore. Wir wollten einfach nochmals sehen, wie diese Tiere denn ausgesehen hätten. Drei Mal waren wir auf Tiger-Safari im Bandipur-Nationalpark (Süd-Indien). Und drei Mal haben wir zwar Hirsche, Elefanten und andere schöne Tiere gesehen. Aber die rund 100 Tiger und Leoparden versteckten sich bis zum Schluss in diesem 800 km2 grossen Nationalpark. Es wäre zu schön gewesen – aber all die anderen wunderbaren Erlebnisse, die wir bisher auf unserer Indien-Reise machen durften, entschädigen mehr als genug für die versteckt gebliebenen Tiger.

Wilde Elefanten, Bandipur-Nationalpark

Wilde Elefanten, Bandipur-Nationalpark

Zum Beispiel die unzähligen Schwarztee-Plantagen in der Umgebung von Munnar. Sanft geschwungene Hügel, überzogen mit unregelmässigen grünen Flecken, formen ein äusserst liebliches Landschaftsbild. Wir können uns kaum satt sehen an dieser einzigarigen Landschaft. Besonders schön ist, dass wir all diese tollen Eindrücke mit zwei weiteren Menschen teilen dürfen: Seit über drei Wochen reisen wir mit Sebastian und Leah, den jüngsten Mitgliedern unserer indischen „Grossfamilie“. Zu viert macht das Reisen noch viel mehr Spass, auch wenn manchmal nicht alles nach Plan läuft: Zum Beispiel besuchten wir für zwei Tage einen Ashram, eine Art indisches Kloster, wo nach strengen Regeln nach den Lehren eines Gurus gelebt, gebetet und meditiert wird. Schon nach wenigen Stunden realisierten wir aber, dass diese sektenähnlichen Zustände überhaupt nicht unseren Vorstellungen entsprachen und mehr einem Heim für Obdachlose Inder oder völlig entwurzelte westliche Reisende entsprachen. Charakteristisch dafür war ein junger, arroganter Amerikaner: Demütig fragte er den Guru in der öffentlichen Fragestunde nach Ratschlägen, wie er ein besserer Mensch werden könne. Trotz den Weisheiten der „obersten Instanz“ schafft er es jedoch nicht einmal, seinen Mitmenschen mit minimalstem Respekt zu begegnen und einen freundlichen Gruss zu erwidern. Er ist aber nur ein Beispiel einer ganz eigenen abgehobenen Menschenrasse, der wir dort begegnet sind.

Schwarztee-Plantagen in Munnar

Schwarztee-Plantagen in Munnar

Vielleicht war es das schlechte Karma für unsere bösen Spötteleien über das Leben im Ashram, das uns eine negative Überraschung brachte: Nur wenige Tage nach unserer „Entlassung“ aus dem Ashram fand sich Silvan auf der Intensivstation eines indischen Spitals wieder. Die Diagnose war zwar „nur“ eine Lugenentzündung, trotzdem war die Situation alles andere als lustig. (siehe Artikel „Indien intensiv“.) Wir sind dankbar, dass alles gut ging und wir von unseren Freunden Leah uns Sebastian beste Unterstützung erhielten.

Unsere Freunde Sebastian und Leah... über 3 Wochen haben sie es mit uns ausgehalten ;)

Unsere Freunde Sebastian und Leah… über 3 Wochen haben sie es mit uns ausgehalten 😉

Indien ist Religion: Obwohl uns der Kult um die über 3000 Götter, heiligen Kühe usw. in der Zwischenzeit etwas zum Halse raushängt, ist es trotzdem noch immer faszinierend, indische Tempel zu besuchen. Feuer, Rauch, Wasser, Blumen, Tiere und alle möglichen (für uns unverständlichen) Rituale bieten jedes Mal ein neues Schauspiel und Spektakel.

Nach knapp 2 Monaten Indien haben wir nun auch eine Überdosis von Affen: Überall begegnet man diesen lästigen Biestern! Zückten wir anfangs noch bei jeder Begegnung die Kameras, sind wir nun froh, wenn sie uns möglichst auf Distanz bleiben! Mehrere Male mussten wir unsere Taschen oder Kameras vor ihnen in Schutz nehmen. Einmal stürmten sogar drei Affen unseren Reisebus (Fensterscheiben gibt es keine) und verliessen ihn erst wieder, nachdem sie genug Fressbares aus den Taschen der erschrockenen Passagieren entwendet hatten. Und seit sie einmal regelrecht in unser Hotelzimmer eingebrochen sind und uns eine zwei Kilo (!) schwere Wassermelone gestohlen haben, herrscht echter Krieg zwischen ihnen und uns. (Niemand kann sich vorstellen, wie sehr wir uns an jenem Tag auf diese Melone gefreut haben!!! Scheiss-Affen!!!)

Eigentlich hätten WIR gerne diese Melone so genüsslich gegessen...

Eigentlich hätten WIR gerne diese Melone so genüsslich gegessen…

Blöder Affe mit UNSERER Melone!

Blöder Affe mit UNSERER Melone!

Eine spannende Erfahrung war die Teilnahme an den Hochzeits-Feierlichkeiten eines indischen Brautpaares. Spontan wurden wir zu diesem Event eingeladen und als Gäste in aller Herzlichkeit empfangen und bewirtet. Was für ein schönes, buntes Erlebnis! Das Brautpaar ist sich an diesem Abend zum ersten Mal überhaupt begegnet. Für Indien nichts ungewöhnliches: Hochzeiten sind oft arrangiert und basieren weniger auf Liebe als auf finanziellem Interesse. Nicht nötig zu erwähnen, dass das auch Probleme mit sich bringen kann (siehe Artikel „Zwangs-Ehen, Korruption und Abfall“.)

Mit dem Brautpaar

Mit dem Brautpaar

Wir sind äusserst dankbar, für all unsere neuen Freunde („Grossfamilie“), und für die unvergesslich tollen Erlebnisse, die wir in Indien machen durften. (Danke Luke, Robert, Stefan, Sebastian & Leah!) Dieses kontrastreiche Land ist wohl etwas vom faszinierendsten, was unser Planet zu bieten hat. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, sich der Magie Indiens zu entziehen… Entweder man liebt es, oder man hasst es. Wir lieben es!

(Eckdaten des zweiten Teils unserer Reise: Hampi, Goa, Kalgot, Udupi, Kochin (Kerala), Munnar, Ooty, Bandipur, Mysore).

Unterwegs in Süd-Indien (Teil 1)

Eine würzige Mischung aus Farbe, Religion und Abenteuer

„Indien ist wie Live-Kino: Egal wo man hinschaut, passiert etwas, das man vorher noch nie gesehen hat oder geglaubt hat, dass es das gar nicht gibt!“ Etwa so lassen sich unsere Eindrücke der letzten vier Wochen in diesem verrückten Land am besten zusammenfassen. All die kuriosen Gerüchte und Geschichten, die man sich über Indien erzählt, haben eine grosse Gemeinsamkeit: Sie sind wahr!

Kühe in den Strassen, bunte und lebendige Märkte, riesige Tempel, würziges Essen, aber auch Armut, Verkehrschaos und Abfallberge: das ist Indien!

Das Reisen hier ist nicht immer einfach – man muss vor allem drei Dinge mitbringen: Zeit, Geduld und Flexibilität! „Many many Indians travel in the train. You can not just buy ticket and go. You must make reservation many days before. You are not in your country!“ So kurz und knapp fasste uns ein Inder das Bahnsystem seines Landes zusammen. Wie recht er doch hatte.

Unsere bisherige Reise verlief viel langsamer als geplant. Es gab schlicht und einfach enorm viel zu entdecken und erleben, und wir brauchten wirklich Zeit, um all die neuen überwältigenden Eindrücke zu verarbeiten: Riesige, von Menschen angefertigte Tempel-Höhlen (Ellora und Ajanta), gigantische Burganlagen wie aus Hollywoodfilmen, abwechslungsreiche endlose Landschaften… und immer wieder die Begegnugen mit den Einheimischen. Wir haben absichtlich nicht die populärste Reiseroute entlang der südindischen Küste gewählt, sondern besuchten vor allem das Landesinnere. Dadurch kamen wir mit Menschen in Kontakt, die vorher noch kaum Weisse gesehen haben. Das Resultat: Die Inder hatten ein rieisges Interesse an uns! Wie Stars wurden wir immer wieder belagert, ausgefragt und vor allem fotografiert. In der Zwischenzeit dürften es weit über 1000 Fotos sein, die von uns geschossen wurden. Das braucht oft viel Zeit, aber die nehmen wir uns gerne: Roger Federer, der einzige Schweizer, den die meisten Inder kennen, nimmt sich ja auch immer viel Zeit für seine Fans.

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Aber auch wir kamen beim Fotografieren voll auf unsere Kosten: Indien ist das wohl dankbarste Land für Foto-Freaks: All die Frauen in ihren wunderschönen, bunten Saris, die Männer in ihren traditionellen Kleidern, und die Kinder mit grossen leuchtenden Augen, geben die schönsten Sujets ab. (Siehe unter Fotos Indien.) Dazu kamen all die Tempel und Rituale: Kein Land hat so eine bunte Religion wie Indien mit seinen über 3000 Göttern. Man hat den Eindruck, dass hier jede Bewegung und Handlung in einer Form mit Religion zu tun hat. Die Tempelbesuche sind immer ein Highlight. Zwar darf man nicht fotografieren, aber die Eindrücke, die man kriegt, gehen sowieso nie mehr aus dem Kopf. All die farbigen Zeremonien, begleitet von Feuer, Rauch und Wasser. Ein Feuerwerk für alle Sinne.

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Ja, wir lieben Indien – merkt man es? Dies hat aber auch mit unserer Grossfamilie zu tun: Wie oben erwähnt, auf „unserer“ Reiseroute verkehren nicht viele Touristen. Und diejenigen, die hier sind, trifft man früher oder später bestimmt. In unserem Fall hatten wir das Glück, dass dies alles ganz interessante und nette Leute waren, mit denen wir immer wieder in anderen Zusammensetzungen Ausflüge unternommen haben. Von Alter und Charakter völlig unterschiedlich (wir reisten in drei Generationen), verstanden wir uns alle prächtig und teilten vor allem eines: eine endlose Leidenschaft fürs Reisen und für Indien. Der älteste unserer „Familie“ war Luke, ein 75 jähriger amerikanischer Schauspieler. In den Staaten litt er an Depressionen. „Wenn ich hier morgens aus dem Hotel gehe, die hupenden Autos und den Strassenlärm höre, und die stinkige, staubige Luft einatme, dann fühle ich mich glücklich und gesund!“, erklärte er uns. Kann man sich so als Leser wahrscheinlich kaum vorstellen, aber es ist wahr! In Indien liegt eine Magie und Energie in der Luft, die man einfach spürt, die anders ist als nirgendwo sonst. Dieser Zauber lässt aber spätestens dann (temporär) nach, wenn man etwas Falsches gegessen hat – und das passiert früher oder später bei jedem. Veronica war bisher verschont, Silvan ist nach einer Antibiotika-Kur (Antibiotika kriegt man hier so einfach wie bei uns Schokolade) wieder fit und munter.

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Die Eckpunkte unserer bisherigen Südindien-Reise waren Mumbai, Arungabad, Bidar, Bijapur, Badami, Goa und die unglaubliche Ruinenstadt Hampi. Wohin wir weiter gehen, wissen wir noch nicht genau: Das hängt vor allem auch von den Plänen unserer „Grossfamilie“ ab. Mitte März werden wir auf jeden Fall zurück nach Myanmar zu „unserer“ Schule reisen, und dort nochmals Englisch unterrichten. Und danach? Alles möglich – nur an eine Rückkehr in die Schweiz denken wir nicht.

Warum ist das Reisen in indischen Zügen so besonders? Und sind in den indischen Slums wirklich alle arm und kriminell? Antworten auf diese Fragen erhältst du etwa anfangs März. Spätestens dann posten wir neue, spannende Reiseberichte und wunderschöne Fotos, die du auf keinen Fall verpassen darfst!

Über Lob, Kritik & News aus der Heimat freuen wir uns immer. Bis bald – herzliche Grüsse, Silvan & Veronica

P.S.: Crazy India! Weiss jemand, warum das Gesetz hier vorschreibt, dass nur der Fahrer eines Motorrades einen Helm tragen muss und der Beifahrer nicht? Oder kann uns jemand erklären, warum Inder teilweise den Tee statt aus der Tasse aus dem Unterteller trinken (obwohl der Tee in der Tasse serviert wurde)??? Soll mal einer sagen, nur die Römer spinnen…

Affe, wenn er Silvan sieht

Affe, wenn er Silvan sieht

Affe, wenn er Veronica sieht...

Affe, wenn er Veronica sieht… oder umgekehrt? 😉

 

Vietnam: Von Motorbikes, Buchten und Heiratsanträgen

Unser Vietnam-Trip hat schlecht angefangen! Aus dem heissen Bangkok sind wir im winterlichen Hanoi gelandet – völlig unvorbereitet auf die Kälte! Niemals wären wir auf die Idee gekommen, dass es in Vietnam eine kalte Jahreszeit geben könnte – aber die gibt es tatsächlich! Zudem wäre im Dezember in Vietnam theoretisch auch Trockenzeit – aber eben, nur theoretisch.

Nach einer Weihnachtsparty mit viel Bier (so feiert man im teilweise christlichen Vietnam anscheinend Weihnachten) erkundigten wir am nächsten Tag die Hauptstadt Hanoi. In dieser Stadt gibt es 8 Mio Einwohner und 4 Mio Motorbikes (wir hatten das Gefühl, es sei eher umgekehrt). Diese fahren einem ständig um die Ohren, und man muss als Fussgänger höllisch aufpassen, dass man nicht überfahren wird. Verkehrsregeln oder Ampeln sind hier anscheinend keine Vorschriften, sondern – so scheint es – bloss Empfehlungen. Immer wieder wurden wir überrascht, was man auf so einem Motorbike alles transportieren kann: Schweine, Kühe und ganze Motorräder sind durchwegs die Norm und nicht die Ausnahme (siehe Fotos „Vietnam“)!

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Zur Erholung unternahmen wir eine Wanderung zu abgelegenen Bergvölkern im Ba Be Nationalpark. Dort gab es zwar (fast) keine lärmigen Motorbikes, dafür umso mehr Wasserbüffel, und noch viel mehr kreischende Hähne, welche uns jeweils ab 3 Uhr morgens nicht mehr schlafen liessen.

Nach einer wunderschönen Motorradtour in Ninh Binh zwischen steilen Kalkfelsen und saftig grünen Reisfeldern (siehe Artikel „Unterwegs auf Vietnams Landstrassen“) gingen wir zurück nach Hanoi, denn wir erwarteten Besuch aus der Schweiz: Unser langjähriger Freud Thomas G. besuchte uns für zehn Tage auf unserer Reise. Die Freude über seinen Besuch liess auch zwischenzeitliche Krankheit und „Reise-Durchhänger“ vergessen. Mit Thomas erlebten wir ein Highlight nach dem anderen: Zuerst besuchten wir die wohl spektakulärste Bucht der Welt, die „Halong Bay“ im Norden Vietnams. Die unzähligen riesigen Kalkfelsen, die steil aus dem smaragdgrünen Meer herausragen, waren schlicht umwerfend schön!

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Zusammen reisten wir weiter Richtung Hue und Hoi An in der Mitte des Landes. Dank Thomas’s Charme schafften wir es, eine ganze Hotel-Reception zum „We are the World“ singen zu überreden, wurden von zwei jungen Vietnamesinnen zum Spaghetti kochen in ihrer Wohnung eingeladen oder lernten das Geheimnis des „echten“ vietnamesischen Karaokes kennen. Thomas’s Charme auf die vietnamesischen Frauen war überwältigend: Praktisch in jeder Stadt wurde ihm direkt oder indirekt ein Heiratsantrag von einer jungen Dame gemacht. Einer dieser indirekten Heiratsanträge sah folgendermassen aus: Eine junge Hotelangestellte liess über eine Kollegin ausrichten, sie würde Thomas gerne kennen lernen. Als Thomas darum bat, die junge Frau doch einmal zu sehen, versteckte sie sich hinter dem Vorhang und traute sich nicht hervorzukommen. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass aus dieser Liebe nichts wurde…

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Überhaupt sind die Menschen in Vietnam mehrheitlich zurückhaltend, scheu und sehr traditionsbewusst. In Nordvietnam wirken sie eher kalt und verschlossen – was wahrscheinlich mit dem Vietnamkrieg zu erklären ist. Je weiter man Richtung Süden kommt, desto freundlicher, herzlicher und offener wirken sie. Dies kriegten wir vor allem im wunderschönen Mekong-Delta zu spüren, welches wir leider ohne Thomas bereisten – er musste uns in Ho Chi Minh bereits wieder in Richtung Schweiz verlassen. Es war wunderschön, nach 6 Monaten wieder ein vertrautes Gesicht zu sehen, gemeinsam neue Erlebnisse zu machen und endlich wieder einmal die von Thomas mitgebrachten Speisen aus der Heimat zu geniessen. (Niemand wird uns glauben, wie sehr man das Essen von Zuhause vermissen kann!!!)

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Das Mekong-Delta ist für uns ganz klar die schönste Region Vietnams: Es ist ein riesiges Gebiet voller grosser, kleiner, noch kleineren und noch viel kleineren Flüssen und Bächen, die durch eine äusserst fruchtbare Landschaft fliessen, sich immer wieder verzweigen und verästeln und irgendwann ins Meer übergehen. Es ist ein wahres Vergnügen, dieses Gebiet südlich von Ho Chi Minh per Motorrad und Boot zu erkunden (siehe Artikel „Unterwegs auf Vietnams Landstrassen“)! Wir haben uns geschworen, eines Tages zu den Kokospalmen und Reisfeldern hier zurückzukehren.

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Überhaupt sind wir, trotz Startschwierigkeiten, begeistert von Vietnam! Es ist bisher das wohl vielfältigste und abwechslungsreichste Land das wir besucht haben. Zwar muss man stets auf der Hut sein, von den geschäftstüchtigen Vietnamesen nicht über den Tisch gezogen zu werden – jeder möchte einem ständig irgend etwas verkaufen! – aber richtig schlechte Erfahrungen haben wir keine gemacht. (Abgesehen von einem Hotelzimmer, das wir bereits bezogen hatten, und das – als wir später zurück kamen – von einer anderen Person bewohnt wurde.)

Zudem ist Vietnam mit seinen vielfältigen Landschaften, Märkten, Ochsenpflügen, Spitzhüten etc. ein äusserst authentisches und ursprüngliches Reiseland (siehe Artikel „Vietnams Märkte“).

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Würde unser Visum nicht ablaufen, wären wir gerne noch ein paar Tage hier geblieben. Aber die Freude auf das, was als nächstes kommt, lässt die Trauer schnell vergessen: Mit Indien wartet wohl einer der grössten Leckerbissen dieser Reise auf uns!

Werden wir in Indien wohl zu Bollywood-Stars gekürt, oder werden wir unsere eigene Yoga- Tantra- oder Kamasutra-Sekte gründen?

Du erfährst es irgendwann im Februar – bleib dran!

Herzliche Grüsse,

Silvan & Veronica

Unterwegs auf Vietnams Landstrassen

…oder mit dem Motorrad auf Entdeckungsreise

Wir lieben es, mit dem Scooter unterwegs zu sein und fern vom Massentourismus die versteckten Nebenstrassen und somit Vietnams atemberaubende Landschaften zu erkundigen. In keinem anderen Land haben wir eine so abwechslungsreiche Landschaft entdeckt wie hier. Besonders schön war eine Tour im Norden (Ninh Binh), wo wir mit dem Motorrad zwischen riesigen Ananas-Plantagen und Reisfeldern unterwegs waren. Das alleine wäre ja noch nichts besonderes, wären da nicht diese riesigen Kalkfelsen, die wie Säulen senkrecht aus der Landschaft herausstechen und somit ein einzigartiges Bild schaffen. Entlang dieser Kalkfelsen fliessen oft kleine Flüsse, die durch teilweise riesige Tunnels unterhalb der Felsen miteinander verbunden sind. Mit Ruderbooten lässt sich diese atemberaubende Umgebung am besten erkunden.

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Weiter südlich hat die Landschaft ein total anderes Gesicht: Von Hue aus (etwa in der Mitte des Landes) unternahmen wir eine Töff-Tour, die uns durch endlose Reisfelder und Gräber führte. Aber was haben denn Gräber mit den Reisfeldern zu tun? Offiziell gibt es hier keine Friedhöfe – die Hinterbliebenen müssen ihre Angehörigen auf ihrem Grundstück begraben. Deshalb sieht man oft mitten in den Reisfeldern oder hinter den Häusern riesige Grabsteine herausragen, welche der Landschaft ein sehr eigenes Bild geben.

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Die Feldarbeit der vietnamesischen Bauern ist harte Knochenarbeit! Praktisch alles wird von Hand oder mit Hilfe von Ochsenpflügen verrichtet. Für Maschinen fehlt das Geld. Oftmals fühlten wir uns in eine andere Zeit zurückversetzt, wenn wir den Bauern bei der Arbeit auf den Reisfeldern zusahen. Egal wo wir auf unseren Motorrad-Touren hinkamen, die Leute haben sich stets zu uns umgedreht, uns gewunken und freundlich gegrüsst. Kamen wir jeweils in einem Dorf an oder besuchten die lokalen Märkte, waren wir die Attraktion des Tages, wenn nicht sogar des Monates oder Jahres. Vor allem mit den neugierigen Kindern kamen wir immer schnell in Kontakt.

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Die wohl schönste Motorrad-Tour unternahmen wir im Mekong-Delta. In unserem „Lonely Planet“-Reiseführer steht geschrieben, dass es schwierig sei, dieses Gebiet auf eigene Faust zu erkundigen – geführte Touren seien sehr empfohlen! Und genau deshalb sind wir ohne Führer in die Stadt „Ben Tre“, mitten im Mekong-Delta gereist, haben uns einen Töff gemietet und sind losgefahren. Und wurden auch reichlich dafür belohnt!

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Unsere Touren führten uns entlang leuchtend grüner Reisfelder und durch unzählige Kokos-Wälder, über versteckte und fast unpassierbare Feldwege und Brücken hin zu einsamen Häusern und Dörfern. So machten wir u.a. Bekanntschaften mit Honig-, Kokos oder Reisbauern und natürlich der „ganz normalen“ Landbevölkerung. Die Mehrheit unserer neuen „Freunde“ hatten wahrscheinlich zum erstem Mal überhaupt Kontakt mit Touristen! Immer wieder wurden wir mit Früchten, Honig oder anderen lokalen Köstlichkeiten bewirtet.

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Die Einwohner Südvietnams sind an Herzlichkeit kaum zu überbieten! Eine der schönsten Begegnungen – man glaubt es kaum – war auf einer Beerdigung! Die traditionelle Live-Musik in einem festlich geschmückten Haus machte uns neugierig. Deshalb näherten wir uns und wurden hereingebeten und sofort mit Tee und Früchten bewirtet. Als wir dann den Sarg sahen, war für uns klar, dass dies kein normales Fest, sondern eine traditionelle Beerdigung war, wo sich die ganze Familie für drei Tage versammelt hat. Die Mutter eines alten Soldaten, der vor 45 Jahren zusammen mit den Amerikanern im Vietnamkrieg aktiv war (und deshalb ein paar Brocken Englisch sprach), war verstorben. Von Trauer war jedenfalls keine Spur (anscheinend weint man nur am ersten Tag), und so führten wir eine interessante Unterhaltung. Zum Abschied wurden wir mit einem Sack voller Früchte aus der Region beschenkt. Beerdigungen können auch schön sein.

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Auf so einer Reise lernt man immer wieder Neues: Zum Beispiel haben wir die wohl speziellste Form des Recyclings kennen gelernt, die wir euch nicht vorenthalten möchten: In einem abgelegenen Restaurant haben wir nach der Toilette gefragt. Wir wurden hinters Haus geführt, wo ein Steg in einen Weiher führte. Am Ende des Steges war eine kleine Plattform mit einem Loch in der Mitte – also das WC. Kaum liess man etwas ins Wasser plumpsen, begann es unter einem zu sprodeln: Ein riesiger Schwarm grosser Fische stürmte heran und verschlang alles in Sekundenschnelle. Sofort war „Ordnung!“ Das wäre ja eigentlich gar nicht so schlimm – das Problem war mehr die Speisekarte des Restaurants: Es war ein Fisch-Restaurant!

(„Schatz, ich komm gleich, ich muss nur mal noch kurz die Fische füttern!“)

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Übrigens: Wie mietet man in Vietnam ein Motorrad? Ganz einfach: Man sagt im Hotel: „Ich möchte gerne ein Motorrad mieten.“ Der Receptionist antwortet: „Du kannst fahren, oder?“ Meine Antwort: „Ja, natürlich!“ Ich drücke ihm die 7 Dollar in die Hand, er gibt mir das Motorrad – und ab geht es… Niemand soll sagen, Vietnam sei ein bürokratisches Land!

P.S: Theoretisch wäre es in Vietnam für Ausländer eigentlich verboten, ein Motorrad zu mieten… Theoretisch!