Zwangs-Ehen, Korruption & Abfall

Zwangs-Ehen, Korruption und Abfall

 Auch in Indien läuft nicht alles perfekt

In Indien gibt es viel Licht. Sehr viel Licht. Doch wo es viel Licht gibt, gibt es bekannterweise auch viel Schatten. Darüber möchten wir in diesem Artikel berichten.

(Wir berufen uns auf rein subjektive Erfahrungen und Gespräche mit verschiedenen Inderinnen und Indern.)

Das wohl offensichtlichste Problem ist der Abfall. Man findet ihn überall: auf der Strasse, auf den Feldern, an Stränden und auch in Nationalparks. Auch wenn er zum Alltagsbild gehört, stören wir uns trotzdem immer wieder daran. Manchmal sehnen wir uns nach intensivem Regen, in der Hoffnung, dass dann all die Plastikbeutel, Pet-Flaschen und auch Fäkalien endlich weggespült und die Strassen wieder sauber werden. Doch was bringt es? Die Abfälle gelangen in den nächsten Bach (Bäche und Flüsse sind leider oft bereits fliessende Mülltonnen), und von da aus ins Meer. Im Meer werden sie wieder an die Strände gespült, wo wir uns abermals darüber ärgern. Es ist ein Teufelskreis! Gottseidank hat die Regierung das Problem Abfall erkannt. In Werbespots wird versucht, die Bevölkerung zu „erziehen“. Jedoch wird es bestimmt noch Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis erste Resultate sichtbar werden. Wir freuen uns darauf!

Benachteiligte Frauen

Ein nicht ganz so offensichtliches Problem sind die arrangierten Zwangs-Ehen. Oft kommt es vor, dass sich Braut und Bräutigam erst am Hochzeitstag begegnen. Aber nicht immer werden Paare zur Hochzeit gezwungen. Auch da ist glücklicherweise ein Umdenken im Gange, und je länger je mehr dürfen junge Menschen ihre PartnerInnen selber aussuchen. In verschiedenen Staaten ist man jedoch noch weit davon entfernt. Oft werden Ehen nur aus finanziellen Gründen geschlossen. Verlierer sind dabei meist die Familien der Frauen: Sie verlieren ihre Töchter an die Familie des Bräutigams – denn dort wird das frisch vermählte Paar in Zukunft wohnen. Die Braut wird dann oft als billige Arbeitskraft missbraucht. Schwere Konflikte mit den Schwiegereltern sind leider die Regel und nicht die Ausnahme. An eine Scheidung ist nicht zu denken – es würde Schande über die Familie bringen. Ausserdem ist die Familie der Braut zu hohen Mitgift-Zahlungen verpflichtet, was für sie ein weiterer Nachteil bedeutet. (Was die Heirat für die Familien der Männer umso attraktiver macht. Uns wurde von einer richtigen „Hochzeits-Maifia“ berichtet.) Aus diesem Grund sind neugeborene Mädchen leider teilweise immer noch unerwünscht und werden bereits nach der Geburt getötet.

Überhaupt scheinen es die Frauen in Indien schwer zu haben. Wenn sie noch nicht verheiratet sind, dürfen sie abends wenn es dunkel ist nicht mehr aus dem Haus. Die Angst vor (sexuellen) Übergriffen ist zu gross. Umso mehr sieht man abends und nachts trinkende Männer durch die Strassen ziehen. Für uns Touristen kein Problem: Sie sind stets freundlich und nett. Daheim sieht es aber anders aus: Junge Frauen haben uns erzählt, wie alkoholisierte Männer zu Hause ihre Frauen und Töchter verprügeln. „Das ist bei uns an der Tagesordnung“, erklärt eine 22 jährige Frau trocken. Sie erzählt dies so selbstverständlich, wie wenn sie vom Zähneputzen sprechen würde. Gleichberechtigung zwischen den beiden Geschlechtern scheint für viele Inder noch ein Fremdwort zu sein!

Riesige Kontraste

Die Armut in Indien ist nicht übersehbar. Aber auch hier wurde uns immer wieder beteuert, dass sich der Staat gut um die Bürger kümmert. Bei all den Bettlern, Krüppeln und Obdachlosen, denen wir täglich begegnen, zweifeln wir irgendwie daran. Tatsache ist aber, dass viele arme Menschen zufrieden wirken und gut mit ihren Schicksalen klar zu kommen scheinen. Erschreckend sind immer wieder die Kontraste zwischen arm und reich: modernste Häuser neben Wellblech-Hütten oder neuste Mercedes-Limousinen, die an obdachlosen Bettlern vorbeifahren.

Es ist bestimmt schwierig, so ein riesiges Land wie Indien mit so vielen verschiedenen Stämmen und Völkern zu regieren. Da kann nicht alles perfekt sein. Jedoch wäre vieles besser, wenn nicht überall Staatsfeind Nr. 1 präsent wäre: Die Korruption. Sie frisst einen Staat von innen auf und verhindert jede Form von Fortschritt. Selbst kamen wir nie direkt in Kontakt mit ihr. Aber jeder Inder, mit dem man spricht, hat seine eigenen Geschichten dazu. Unnötig zu erwähnen, dass die Korruption auch einer der Hauptgründe für die riesige Kluft zwischen arm und reich ist.

Nichtsdestotrotz: Indien ist und bleibt für uns eines der faszinierendsten Länder, die wir je bereist haben. Das Land ist äusserst vielfältig und reich an atemberaubender Kultur und Geschichte. Sehr vieles läuft hier ausgezeichnet im Hinblick auf die vielen Probleme, die es hier zu bewältigen gibt. Aber wie gesagt, wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Und das bleibt einem auch als Tourist nicht verborgen.

 

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