Unterwegs in Süd-Indien (Teil 2)

Von Tigern, Tempeln und Teeplantagen

Auge in Auge mit dem Tiger...

Auge in Auge mit dem Tiger…

Die Bestie steht nur gerade 5 Meter von uns entfernt: Wir können ihm direkt in die Augen sehen. Er öffnet den Mund, zeigt uns seine furchterregenden Reisszähne: Was für ein Gefühl, einem Tiger so nahe zu sein…! Aber leider nur im Zoo von Mysore. Wir wollten einfach nochmals sehen, wie diese Tiere denn ausgesehen hätten. Drei Mal waren wir auf Tiger-Safari im Bandipur-Nationalpark (Süd-Indien). Und drei Mal haben wir zwar Hirsche, Elefanten und andere schöne Tiere gesehen. Aber die rund 100 Tiger und Leoparden versteckten sich bis zum Schluss in diesem 800 km2 grossen Nationalpark. Es wäre zu schön gewesen – aber all die anderen wunderbaren Erlebnisse, die wir bisher auf unserer Indien-Reise machen durften, entschädigen mehr als genug für die versteckt gebliebenen Tiger.

 

Wilde Elefanten, Bandipur-Nationalpark

Wilde Elefanten, Bandipur-Nationalpark

 

 

Zum Beispiel die unzähligen Schwarztee-Plantagen in der Umgebung von Munnar. Sanft geschwungene Hügel, überzogen mit unregelmässigen grünen Flecken, formen ein äusserst liebliches Landschaftsbild. Wir können uns kaum satt sehen an dieser einzigarigen Landschaft. Besonders schön ist, dass wir all diese tollen Eindrücke mit zwei weiteren Menschen teilen dürfen: Seit über drei Wochen reisen wir mit Sebastian und Leah, den jüngsten Mitgliedern unserer indischen „Grossfamilie“. Zu viert macht das Reisen noch viel mehr Spass, auch wenn manchmal nicht alles nach Plan läuft: Zum Beispiel besuchten wir für zwei Tage einen Ashram, eine Art indisches Kloster, wo nach strengen Regeln nach den Lehren eines Gurus gelebt, gebetet und meditiert wird. Schon nach wenigen Stunden realisierten wir aber, dass diese sektenähnlichen Zustände überhaupt nicht unseren Vorstellungen entsprachen und mehr einem Heim für Obdachlose Inder oder völlig entwurzelte westliche Reisende entsprachen. Charakteristisch dafür war ein junger, arroganter Amerikaner: Demütig fragte er den Guru in der öffentlichen Fragestunde nach Ratschlägen, wie er ein besserer Mensch werden könne. Trotz den Weisheiten der „obersten Instanz“ schafft er es jedoch nicht einmal, seinen Mitmenschen mit minimalstem Respekt zu begegnen und einen freundlichen Gruss zu erwidern. Er ist aber nur ein Beispiel einer ganz eigenen abgehobenen Menschenrasse, der wir dort begegnet sind.

Schwarztee-Plantagen in Munnar

Schwarztee-Plantagen in Munnar

Vielleicht war es das schlechte Karma für unsere bösen Spötteleien über das Leben im Ashram, das uns eine negative Überraschung brachte: Nur wenige Tage nach unserer „Entlassung“ aus dem Ashram fand sich Silvan auf der Intensivstation eines indischen Spitals wieder. Die Diagnose war zwar „nur“ eine Lugenentzündung, trotzdem war die Situation alles andere als lustig. (siehe Artikel „Indien intensiv“.) Wir sind dankbar, dass alles gut ging und wir von unseren Freunden Leah uns Sebastian beste Unterstützung erhielten.

Sebastian und Leah

Unsere Freunde Sebastian und Leah

Indien ist Religion: Obwohl uns der Kult um die über 3000 Götter, heiligen Kühe usw. in der Zwischenzeit etwas zum Halse raushängt, ist es trotzdem noch immer faszinierend, indische Tempel zu besuchen. Feuer, Rauch, Wasser, Blumen, Tiere und alle möglichen (für uns unverständlichen) Rituale bieten jedes Mal ein neues Schauspiel und Spektakel.

Nach knapp 2 Monaten Indien haben wir nun auch eine Überdosis von Affen: Überall begegnet man diesen lästigen Biestern! Zückten wir anfangs noch bei jeder Begegnung die Kameras, sind wir nun froh, wenn sie uns möglichst auf Distanz bleiben! Mehrere Male mussten wir unsere Taschen oder Kameras vor ihnen in Schutz nehmen. Einmal stürmten sogar drei Affen unseren Reisebus (Fensterscheiben gibt es keine) und verliessen ihn erst wieder, nachdem sie genug Fressbares aus den Taschen der erschrockenen Passagieren entwendet hatten. Und seit sie einmal regelrecht in unser Hotelzimmer eingebrochen sind und uns eine zwei Kilo (!) schwere Wassermelone gestohlen haben, herrscht echter Krieg zwischen ihnen und uns. (Niemand kann sich vorstellen, wie sehr wir uns an jenem Tag auf diese Melone gefreut haben!!! Scheiss-Affen!!!)

Eigentlich hätten WIR gerne diese Melone so genüsslich gegessen...

Eigentlich hätten WIR gerne diese Melone so genüsslich gegessen…

Blöder Affe mit UNSERER Melone!

Blöder Affe mit UNSERER Melone!

Eine spannende Erfahrung war die Teilnahme an den Hochzeits-Feierlichkeiten eines indischen Brautpaares. Spontan wurden wir zu diesem Event eingeladen und als Gäste in aller Herzlichkeit empfangen und bewirtet. Was für ein schönes, buntes Erlebnis! Das Brautpaar ist sich an diesem Abend zum ersten Mal überhaupt begegnet. Für Indien nichts ungewöhnliches: Hochzeiten sind oft arrangiert und basieren weniger auf Liebe als auf finanziellem Interesse. Nicht nötig zu erwähnen, dass das auch Probleme mit sich bringen kann (siehe Artikel „Zwangs-Ehen, Korruption und Abfall“.)

Mit dem Brautpaar

Mit dem Brautpaar

Wir sind äusserst dankbar, für all unsere neuen Freunde („Grossfamilie“), und für die unvergesslich tollen Erlebnisse, die wir in Indien machen durften. (Danke Luke, Robert, Stefan, Leah & Sebastian!) Dieses kontrastreiche Land ist wohl etwas vom faszinierendsten, was unser Planet zu bieten hat. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, sich der Magie Indiens zu entziehen… Entweder man liebt es, oder man hasst es. Wir lieben es!

(Eckdaten des zweiten Teils unserer Reise: Hampi, Goa, Kalgot, Udupi, Kochin (Kerala), Munnar, Ooty, Bandipur, Mysore).

 

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