Fotos – ein Geben und Nehmen

Fotos – ein Geben und Nehmen

Ja, wir haben Verständnis, wenn Angelina Jolie und Brad Pitt vor Fans und Paparazzis flüchten. Nicht dass wir uns mit diesen beiden Superpromis vergleichen möchten. Aber wir durften am eigenen Leibe mehrfach erfahren, wie es sich anfühlt, eine Berühmtheit zu sein. Anfangs haben wir gedacht, die Inder seinen, abgesehen vom unaufhörlichen Anstarren, betreffend Kontaktaufnahme mit Touristen ein diskretes und zurückhaltendes Volk. Sind sie aber nicht! Vor allem dann nicht wenn sie auf Sightseeing-Tour sind. Zwar sind sie immer äusserst höflich und freundlich. Aber kaum hört einer auf, uns anzustarren und traut sich zu fragen, ob er ein Foto machen darf, blicken wir plötzlich in 20 Kameras. Aus dem einen Teenager-Jungen, der zuerst ums Foto gebeten hat, wird plötzlich eine ganze Familie (und indische Familien sind ja bekanntlich nicht klein!), und aus der Familie wird plötzlich eine ganze Schulklasse, und aus der Schulklasse wird plötzlich… Noch bevor wir uns versehen können, versinken wir in einer Schar Menschen, hell beleuchtet von einem Blitz-Gewitter. Jetzt ist Geduld angesagt!

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Wie Roger Federer

Bei unseren verschiedenen Ausflügen nahmen wir uns täglich viel Zeit für „Fotoshootings“. Obwohl wir manchmal wirklich keine Kameras und lächelnde Inder mehr sehen wollten, möchten wir uns aber auf keinen Fall darüber beschweren: Was gibt es schöneres, als wenn sich die Einheimischen für die Gäste aus fremden Ländern so sehr interessieren und man begehrt ist wie ein Promi? Wir haben es gemacht wie Roger Federer, den einzigen Schweizer, den die Inder kennen: Sich viel Zeit nehmen für die Fans, Geduld haben und lächeln. Nach jedem Foto wurde uns zum Dank die Hand gereicht, stets begleitet von den immer gleichen zwei Fragen: „What is your name?“ und „what is your country?“. Aus diesen einfachen Fragen entwickelten sich oft nette kurze Unterhaltungen oder sogar interessante Gespräche. Warum gerade wir so begehrt für Fotos waren, wissen wir nicht. Ist es bloss unser für ihre Augen so exotisches Aussehen, die Kombination Schweiz-Ecuador, meine Grösse oder gar Veronicas Schönheit? Von dieser schien ein junger Inder nämlich besonders angetan gewesen zu sein: Das normale Foto mit dem Handy reichte ihm nicht! Er bat uns kurzerhand, ihn ins nächste Fotostudio zu begleiten, wo er mit ihr für ein professionelles Foto posierte.

 

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„Bitte ein Foto“

Die Freude am Fotografieren war aber gegenseitig! Spielende Kinder mit ihren grossen dunklen Augen, stolze Männer in Arbeitskleidung und traditioneller Kopfbedeckung… und natürlich immer wieder die indischen Frauen in ihren leuchtend bunten Saris, verziert mit Goldschmuck ihn Ohren und Nasen. Sie haben uns begeistert, und wir konnten einfach nicht genug kriegen, sie zu fotografieren. Und dies war erstaunlich einfach: Sobald die Leute unsere Kamera sahen, baten sie uns, ein Bild von ihnen zu machen. Einfach so. Kinder auf der Strasse, Männer bei der Arbeit, Frauen vor ihren Häusern… Sie alle wollten posieren und abgelichtet werden. „Foto, Foto Mister, please Foto!“ Meistens blickten sie dabei sehr ernst in die Kamera. Aber sobald wir ihnen dann ihr Bild zeigten, lachten sie herzlich und wollten nochmals und nochmals posieren. Oder sie riefen gar ihre Kinder, Freunde und Nachbarn, und wollten ein Gruppenfoto haben. Ohne gegenseitig die Sprache zu verstehen, kam vor allem Veronica mit den Damen sehr schnell ins Gespräch, was die Stimmung zusätzlich löste. Das Resultat davon sind wunderschöne, natürliche Portraits zahlreicher Inderinnen und Inder bei sich zu Hause oder bei der Arbeit.

Zu gerne hätten wir unseren „Models“ die Fotos geschenkt. Leider hatte praktisch niemand eine Mail- oder Postadresse, was die Sache meist verunmöglichte.

Win-Win-Situation

Zusammengefasst kann man sagen: Das Fotografieren hier in Indien ist eine klassische Win-Win-Situation, ein Geben und Nehmen. Wie die weit über 1000 Fotos aussehen, auf denen wir drauf sind, weiss ich nicht. Doch die verhältnismässig wenigen Portraits, die wir gemacht haben, gehörten sicherlich zu den schönsten unserer bisherigen Reise. Und begehrt zu sein wie ein Star ist eine wirklich schöne Erfahrung, aber auf Dauer anstrengend. Noch schöner ist es, diesen „Status“ wieder abgeben zu können.

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