Ellora & Ajanta

Ellora & Ajanta

Spektakuläre Tempel und Burgruinen

Aurangabad ist eine pulsierende indische Stadt mit einem lebendigen Bazar und verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Aber der wahre Grund, warum Touristen den Weg hierher finden, sind die wohl faszinierendsten Höhlen Indiens: Ajanta und Ellora.

Es ist noch dunkel, als wir uns um 6 Uhr früh zum Busterminal in Aurangabad begeben. Noch kurz einen „Chai“, den überzuckerten indischen Tee zum Frühstück, und dann ab in den Bus nach Ajanta. Wir sind die ersten Touristen, die an diesem Morgen kurz vor 9 Uhr im Eingangsbereich dieser Höhlen eintreffen. Sofort werden wir von einem Händler abgefangen, der uns um jeden Preis etwas verkaufen will. „First customer, good luck for the whole day!“ argumentiert er immer wieder. Zum Spottpreis von Fr. 3.– kaufen wir ihm eine wunderschöne Steinkette ab. Hat er bloss die Naivität von uns Touristen ausgenützt oder glaubt er wirklich so sehr an den „first customer“-Irrsinn? Seine erleichterte Reaktion und Dankbarkeit deutet klar auf das Zweite hin.

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Über 2000 Jahre alt

Die 28 Höhlen von Ajanta (übersetzt: „ruhiger Ort“) wurden zwischen dem 2. Jh. v. Chr. und dem 6. Jh. n. Chr. von Buddhisten in eine hufeisenförmige Felslandschaft über einem Fluss geschlagen. Und genau das macht sie so einzigartig: Es sind keine natürlichen Höhlen, jede einzelne wurde mit Hammer und Meissel in mühsamer Arbeit angefertigt. Erst wenn man den harten Basalt-Stein berührt, wird einem bewusst, wie viel Anstrengung dahinter steckt. Die Höhlen sind mit unzähligen Wandmalereien verziert, die Bilder aus Buddhas Leben darstellen. Leider sind nicht mehr alle im besten Zustand: Nach dem 6. Jh., resp. nachdem die benachbarten Ellora-Höhlen errichtet wurden, gerieten sie in Vergessenheit und wurden erst 1819 durch Zufall von einem britischen Tiger-Jäger wiederentdeckt. Tiger gibt es heute keine mehr hier. Dafür umso mehr Touristen, allem voran Inder, die aus dem ganzen Land hierher strömen. Neben den Höhlen sind anscheinend wir die grösste Attraktion für sie – immer wieder werden uns die gleichen Fragen gestellt: „Where do you come from? What’s your name? Can I take a picture of you?“ Dank unserem (für sie) so exotischen Aussehens kommen wir leicht in Kontakt mit ihnen, was für beide Seiten sehr bereichernd ist.

Den Europäern voraus

Um mehr über die Malereien zu erfahren, nehmen wir uns einen Führer. Er scheint jeden Strich der Bilder bestens zu kennen und erklärt uns mit seinem harten englischen Akzent alle Details über die verschiedenen Mal-Techniken und die Stationen aus Buddhas Leben. Voller Stolz erzählt er, dass in Indien die Perspektiven-Malerei, 3D-Technik usw. schon lange vor Europa bekannt war. Sein Wissen über den Buddhismus ist grenzenlos – deshalb frage ich ihn, ober Buddhist oder Hinduist sei. Er bricht in schallendes Gelächter aus, umklammert mit beiden Händen meine Arme und lacht: „I am Muslim, my friend!“

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Wie aus Hollywood

Die Ellora-Caves sollen anscheinend noch viel beeindruckender sein. Wir nehmen uns am nächsten Morgen einen Fahrer und reisen voller Erwartungen in Richtung dieser Höhlen. Auf halbem Weg machen wir einen Stop und besichtigen die wohl beeindruckendste Ruinen-Anlage, die wir je gesehen haben: Daulatabad, eine riesige Festung, ist rund um einen Hügel gebaut – die imposanten Mauern, Türme, und Gebäude machen uns sprachlos! In den labyrinthartigen Kellergewölben hängen Fledermäuse an der Decke. Bisher haben wir gedacht, dass solche Burgen nur Inhalt von Hollywood-Filmen sind. Wird uns Ellora nach diesem Bauwerk überhaupt noch begeistern? Und ob!

Aliens am Werk?

Die Höhlen von Ellora wurden zwischen dem 6. und 10. Jh., ähnlich wie Ajanta, ebenfalls in den Fels geschlagen. Im Unterschied zu Ajanta sind es die unzähligen Formen und Figuren, die in den Höhlen direkt in den Stein gemeisselt wurden. Tonnenweise Fels wurde nach einem exakten Plan abgetragen und abgeschliffen. Es ist auch für die moderne Wissenschaft noch ein Rätsel, wie dies alles in so kurzer Zeit erreicht werden konnte. Verschiedene offizielle Theorien sind im Umlauf, die „belegen“, dass dies nur mit Hilfe von Ausserirdischen möglich gewesen sein kann. Wir glauben zwar nicht an die Existenz von Ausserirdischen. Aber beim Betrachten dieser Tempelanlage können auch wir uns nicht erklären, wie Menschen vor so langer Zeit zu einem solchen Bauwerk fähig waren. Unerklärbar ist für uns auch, dass wir vorher noch nie von dieser Tempelanlage gehört haben. Wir sind schlicht und einfach erschlagen! Nach dem Besuch von Machu Pichu in Peru und Petra in Jordanien waren wir uns ziemlich sicher, die schönsten Ruinenanlagen der Welt gesehen zu haben – ein riesiger Irrtum! Aber einer, der sich irgendwie gut anfühlt.

Ein weiterer abenteuerlicher Tag geht zu Ende. Wie wenig haben wir doch bisher über Indien, seine Einwohner und seine phantastische Geschichte gewusst? Warum eigentlich? „Dafür sind wir ja jetzt da, um das zu erfahren!“, beantwortet Veronica meine Frage. Wie recht sie doch hat – wie immer!

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