Zum dritten Mal in Myanmar

Von Abfallbergen, Überschwemmungen und viel Optimismus

Wir hatten uns viel vorgenommen für unsere dritte Rückkehr nach Myanmar – sehr viel! Bei unserem letzten Besuch haben wir uns klare Ziele gesetzt, was wir an „unserer“ Schule Aung Myae Oo alles verändern möchten. Doch damals sah unsere Welt in einem zentralen Punkt noch ganz anders aus: Veronica war noch nicht schwanger. Deshalb mussten unsere Ziele und Pläne für die kommende Reise den neuen Umständen entsprechend angepasst werden.

Jedoch sah es am Anfang so aus, als ob wir überhaupt nicht nach Myanmar reisen könnten: Die ungewöhnlich starken Monsunregen anfangs August haben fast überall im Land Überschwemmungen verursacht und viele Todesopfer gefordert. „Ist es nicht grobfahrlässig, während der Schwangerschaft in ein Katastrophengebiet zu reisen?“ Wie oft haben wir uns diese Frage gestellt! Nach langem Überlegen und diversen Rücksprachen mit der Schule haben wir uns schlussendlich doch entschieden, nach Mandalay zu aufzubrechen: Denn glücklicherweise war genau diese Region von den intensiven Regenfällen verschont geblieben.

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Viel hat sich seit unseren letzten beiden Besuchen in Aung Myae Oo nicht verändert: Wie immer schliefen wir auf dem Boden, duschten uns mit dem brauen schmutzigen Flusswasser und passten uns in allen Bereichen ganz dem Leben im Kloster an. Die Schülerzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr einmal mehr gestigen: Über 2350 Kinder besuchen nun Aung Myae Oo – die Schule platz buchstäblich aus allen Nähten! Während wir aus den Medien erfuhren, dass sich die Schweizer Lehrpersonen über die schlechte Luft in den heimischen Schulzimmern beklagen, standen wir erneut vor über 80 Kindern in hoffnungslos überfüllten, stickigen und viel zu engen Schulzimmern und versuchten den Kindern mit allen Mitteln etwas Englisch beizubringen. Die grossen Schülerzahlen bringen aber noch ein anderes riesiges Problem mit sich: Endlose Berge von Abfall! Leider ist man sich in Myanmar gewöhnt, den Abfall einfach auf den Boden zu werfen. Das Land versinkt im Abfall-Chaos: In den Gewässern gibt es in der Zwischenzeit wohl mehr Plastik als Wasser, auf Strassen und Feldern muss man sich teilweise den Weg durch den Abfall bahnen, und sogar hinter Klöstern oder Touristenattraktionen stapeln sich endlose Abfallberge… Wenn die Regierung nichts unternimmt, wird Myanmar im Abfall untergehen.

landfill site in Myanmar

landfill site in Myanmar

Wie sagt man so schön: „Jede grosse Reise fängt mit dem ersten Schritt an.“ Nach diesem Motto wollten wir handeln, und wenigstens „unsere“ Schule zu einem sauberen Platz machen und ein „Abfallbewusstsein“ in den Köpfen der Kindern entwickeln (mit der Hoffnung, dass sie unsere Idee weiterverbreiten). Schliesslich möchten wir uns – entsprechend unserer Berufe – für Bildung und Gesundheit einsetzen. Und Gesundheit beginnt mit einer sauberen Umwelt.

behind the school building

behind the school building

Unsere Idee fand grossen Anklang bei der Schulleitung und den Lehrpersonen: Nachdem wir alle 2350 Kinder ausführlich über den richtigen Umgang mit Abfall informiert hatten (Kernbotschaft: Abfall gehört in den Abfalleimer und nicht auf den Boden!), starteten wir die wohl grösste Putzaktion, welche die Schule je erlebt hat.

information for all children

information for all children

Und dies mit grossem Erfolg: Aung Myae Oo ist ein richtig sauberer Platz geworden! Auf dem ganzen Schulgelände stehen nun Abfallkübel, die ab jetzt auch gebraucht werden. Und sogar das Recyclen von Pet und Aluminium konnten wir einführen – darauf sind wir besonders stolz! Ob und wie lange die Euphorie anhält, wissen wir nicht. Lehrpersonen und Schüler haben uns jedenfalls versprochen, unser Projekt weiterzuführen und die Schule sauber zu halten.

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Besonders begeistert von unseren Ideen war Aung Thu Phio, ein junger Mönch und Lehrer von Aung Myae Oo: Er hat uns eingeladen, die Schule in seinem Heimatdorf, fast 3 Stunden von Sagaing entfernt, zu besuchen und die Kinder dort im richtigen Umgang mit Abfall zu unterrichten. Dieser Ausflug, die Vorträge vor über Tausend begeisterten Kindern und der Besuch bei Aung Thu Phios Familie weit weg vom Massentourismus gehören zu den ganz grossen Highlights dieser Myanmar-Reise!

Lunch with friends of Aung Myae Oo and Aung Thun Phios family

Lunch with friends of Aung Myae Oo and Aung Thun Phios family

Teaching about garbage in Aung Thun Phios native village

Teaching about garbage in Aung Thun Phios native village

Aber auch in anderen Bereichen waren wir aktiv: Zum Beispiel haben wir allen Lehrpersonen einen Kurs in Erster Hilfe für Kinder gegeben, die Schulapotheke neu eingerichtet, Kindern und Lehrpersonen fleissig Englisch beigebracht und alle nötigen Voraussetzungen geschaffen, dass nun endlich Volunteers in Aung Myae Oo Englisch unterrichten können.

Veronica teaching first aid to the teachers

Veronica teaching first aid to the teacher

Zudem haben wir nun offiziell unsere Stiftung „HEFT Foundation“ (Health & Education for tomorrow“) gegründet, die das Ziel hat, Aung Myae Oo nachhaltig zu unterstützen.

Ja, wir sind wirklich stolz auf alles, was wir im letzten Monat erreicht haben. Und wir sind nach wie vor überzeugt, das Richtige zu tun!

Erschöpft aber glücklich haben wir Myanmar in Richtung Thailand verlassen, um hier einen Freund zu treffen und dann anfangs Oktober nochmals gemeinsam nach Myanmar zurückzureisen. Und wie geht es dann weiter? Sagen wir es mal so: Ab dem 11. Oktober werden wir nach 15 Monaten endlich wieder einmal in der Schweiz Bratwurst essen können. Das ist unser Plan. Aber wie sagt man doch so schön: „Wenn du Gott zum lachen bringen willst, dann erzähl ihm deine Pläne…!“ Wir informieren auf jeden Fall auf unserer Homepage, wie es weiter gehen wird! Bleib dran!!

Wenn einen Einblick in unsere tägliche Arbeit in Aung Myae Oo haben möchtest, empfehlen wir dir den nächsten Artikel „Ein ganz normaler Tag in Aung Myae Oo“ weiter unten auf dieser Seite zu lesen. Viel Spass!

Weitere Fotos: Siehe im Menu „Fotos Asien / Myanmar 3“

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