Ab ins Kloster!

Myanmar ohne Buddhismus? Kann man sich nicht vorstellen! Buddhismus ohne Mönche? Geht nicht! Buddhistische Mönche ohne Meditation? Unmöglich! Sprich: Wenn man sich in Myanmar integrieren will, muss man sich auf jeden Fall mit der Religion und der Meditation auseinandersetzen.

Da wir ab August oder September planen, für mehrere Monate an „unserer“ buddhistischen Klosterschule in Sagaing Hill zu unterrichten, und weil wir schon immer mehr über Buddhismus und Meditation lernen wollten, beschlossen wir uns für 10 Tage in ein abgelegenes Kloster zurückzuziehen und diesen Wünschen nachzugehen.

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Pontschi, der Schulleiter von Aung Myae Oo, hat für uns das wohl bekannteste Meditationszentrum Myanmars ausgewählt und uns persönlich dort hingebracht. Auf dem Weg ins Kloster haben wir uns verschiedene Pagoden und andere bekannte religiöse Stätten angeschaut. Ein Gerücht besagt, dass es in Myanmar mehr Buddha-Statuen und Pagoden als Einwohner gibt. Und nach dieser Reise können wir bestätigen: An diesem Gerücht ist definitiv was dran!

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the Golden Rock

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Zugegeben, die Ankunft im Kloster war alles andere als sanft: Kaum angekommen, wurden Vero und ich buchstäblich auseinandergerissen, unsere Pässe wurden eingesammelt und wir wurden ins Bett geschickt. „Morgen um 3.30 Tagwache, um 4 Uhr beginnt die erste Meditation!“ lautete die Anweisung des verantwortlichen Mönchs – diese Worte waren zugleich Begrüssung und Verabschiedung.

…halt wie im Kloster!

Meine Zelle war, wie man sich eine Klosterzelle halt vorstellt: Ein Holzbrett zum schlafen (keine Matraze!) und weiter nichts. IKEA scheint in diesem Kloster noch ein Fremdwort zu sein…

Schnell gewöhnten wir uns an den für uns doch eher ungewöhnlichen Tagesablauf: Wie erwähnt die frühe Tagwache, Meditation, 6 Uhr Frühstück, Meditation, 10.30 Mittagessen (ab 12 Uhr darf strikte nichts mehr gegessen werden!), Meditation, Meditation, Meditation und dann früh ins Bett. Jeden zweiten Tag hatten Vero und ich Gelegenheit, uns für etwa eine Stunde zu treffen und uns ein wenig auszutauschen. Das Frauenkloster (nahe an einem Dorf) war gut 2 km vom Männerkloster, das ziemlich im Wald versteckt war, entfernt. (Bestimmt wurde das absichtlich so gemacht, damit die Männer nachts nicht ins Dorf abschleichen können um Bier zu besorgen.) Im Wissen, dass wir nur 10 Tage hier sind, konnten wir uns an fast alle, teilweise sehr strengen Regeln halten. Theoretisch hätten wir weder Handys benutzen noch mit anderen Insassen sprechen dürfen (es gab Nonnen, die einen Kleber „bitte nicht ansprechen“ auf ihrer Robe trugen). Auch Fernsehen, Schmuck, Bücher (abgesehen von buddhistischer Literatur) oder Musik waren verboten. Und für Mönche gilt anscheinend die klare Regel: Es darf NICHT im Stehen gepinkelt werden. Wie gesagt, an fast alle Regeln haben wir uns gehalten…

Meditation Hall

Meditation Hall (with Mosquito Protection)

Mehr als bloss „entspannen“

Bei uns im Westen kennt man Meditation vor allem (fälschlicherweise) als Entspannungstechnik. Jedoch – das haben wir in diesen 10 Tagen deutlich gelernt – steckt viel mehr dahinter. Möchte man sich richtig mit Meditation befassen, dann reichen 10 Tage bei weitem nicht aus. Um es in einem abstrakten Vergleich zu verdeutlichen: Wäre der „Umfang“ von der echten Meditation 1 Kilometer lang, dann haben wir während unserem Aufenthalt gerade mal 1 cm davon kennen gelernt. Verständlich?

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Tür an Tür mit einer Kobra

Viele der Mönche, die in diesem Kloster wohnen, leben in kleinen Holzhütten (sogenannten „Kutis“) abgelegen im Wald. Dort haben sie ihre Ruhe und können in der Einsamkeit mehrere Stunden täglich ungestört meditieren. Das heisst: Fast ungestört! Wäre da nicht Silvan gewesen! Auf meinen abendlichen Erkundungsspaziergängen bin ich teilweise bis zu den entferntesten Kutis vorgedrungen – stets bewaffnet mit einem Holzstock, um mich gegen Schlangen, die ab und zu meinen Weg kreuzten, verteidigen zu können. Eine spezielle Begegnung hatte ich bei einer kleinen Höhle, weit entfernt vom Kloster, am Fusse eines Abhangs. Seit sieben Jahren ist diese Höhle von einem Mönch bewohnt, der dort – wie könnte es anders sein – meditiert. Auf meine Frage, ob er keine Angst vor Giftschlangen habe, lächelt er sanft – so sanft, wie es halt nur ein buddhistischer Mönch kann. Dann zeigt er auf eine kleine Höhle, etwa drei Meter entfernt von seiner, und erklärt gelassen: „Seit Jahren lebt hier eine 2 Meter lange Kobra. Wir sind beste Nachbarn.“ „Das ist aber sehr gefährlich!“, war logischerweise meine Reaktion. „Die Kobra macht mir nichts – schliesslich bin ich Mönch!“ lautete seine Antwort, wieder untermalt von diesem sanften Lächeln. Was soll man auf dieses Argument noch erwidern? Aber anscheinend – wie ihr gleich nachher erfährt – hat er recht…

Cobra-Cave (on the left side is the entrance to the Monks cave)

Cobra-Cave (on the left side is the entrance to the Monks cave)

Kein typischer Mönch

Auf einem weiteren Spaziergang lernte ich zufälligerweise Mokkhita kennen: Auf den ersten Blick glich er mit seinen blauen Augen, dem nackten Oberkörper und seinem grossen Tattoo auf dem Oberarm überhaupt nicht einem buddhistischen Mönch. Er ist Deutscher, 33 Jahre alt und seit mehreren Jahren in diesem Kloster am meditieren. Seine Bekanntschaft war ein wahrer Gewinn: Er war der einzige Mönch, mit dem ich auch kontroverse Fragen zum Thema Buddhismus und Meditation klären konnte (die anderen Mönche wollten nicht darüber sprechen, da es sie zu sehr von der Meditation ablenkte). Ich durfte Mokkhita auch zu seinem Meditationsplatz, weit entfernt vom Kloster, auf einem Hügel mit traumhafter Aussicht, begleiten. Der Platz erinnert wegen seiner aussergewöhnlich schönen Lage an den „Königsfelsen“ aus dem Film „Lion King“. Wenn Mokkhita nicht als Naturarzt andere Mönche behandelt oder im Dorf auf Betteltour ist (wie es für buddhistische Mönche üblich ist), lebt, meditiert und schläft er auf diesem Hügel. Eine Mahlzeit pro Tag reich für ihn. Den Weg durch den Wald zu seinem Meditationsplatz lief er, wie immer, Barfuss. „Hast du keine Angst vor Schlangen?“, fragte ich auch ihn. „Die Schlangen machen mir nichts – schliesslich bin ich Mönch!“ – seine klare Antwort. Hab ich das nicht schon einmal gehört…?

Mokkhita on "his" rock next to his meditation place

  Mokkhita on „his“ rock next to his meditation place

Mokkhita treating his patients

Mokkhita treating his patients

Wertvolle Erfahrungen

Eines stand für uns nach diesen 10 Tagen Kloster fest: Mönch, resp. Nonne, werden wir bestimmt nie. Aber die Erfahrung möchten wir auf keinen Fall missen. Einmal während 10 Tagen auf jeglichen Komfort zu verzichten, und sich nur mit sich selber, der Meditation und der Lehre Buddhas auseinanderzusetzen, war sehr bereichernd. Zudem haben wir nun ein viel besseres Verständnis für die jungen Novizen und Nonnen, die wir in Aung Myae Oo unterrichten: Es ist – vor allem für Jugendliche – wirklich nicht einfach, täglich um 4 Uhr aufzustehen oder ab 12 Uhr nichts mehr essen zu dürfen.

Für unseren nächsten längeren Myanmar-Aufenthalt sind wir nun auf jeden Fall bestens gerüstet!

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monks queing for food

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Pagodas everywhere… No wonder is Myanmar called „the Golden country“

 

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