Vietnam: Von Motorbikes, Buchten und Heiratsanträgen

Unser Vietnam-Trip hat schlecht angefangen! Aus dem heissen Bangkok sind wir im winterlichen Hanoi gelandet – völlig unvorbereitet auf die Kälte! Niemals wären wir auf die Idee gekommen, dass es in Vietnam eine kalte Jahreszeit geben könnte – aber die gibt es tatsächlich! Zudem wäre im Dezember in Vietnam theoretisch auch Trockenzeit – aber eben, nur theoretisch.

Nach einer Weihnachtsparty mit viel Bier (so feiert man im teilweise christlichen Vietnam anscheinend Weihnachten) erkundigten wir am nächsten Tag die Hauptstadt Hanoi. In dieser Stadt gibt es 8 Mio Einwohner und 4 Mio Motorbikes (wir hatten das Gefühl, es sei eher umgekehrt). Diese fahren einem ständig um die Ohren, und man muss als Fussgänger höllisch aufpassen, dass man nicht überfahren wird. Verkehrsregeln oder Ampeln sind hier anscheinend keine Vorschriften, sondern – so scheint es – bloss Empfehlungen. Immer wieder wurden wir überrascht, was man auf so einem Motorbike alles transportieren kann: Schweine, Kühe und ganze Motorräder sind durchwegs die Norm und nicht die Ausnahme (siehe Fotos „Vietnam“)!

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Zur Erholung unternahmen wir eine Wanderung zu abgelegenen Bergvölkern im Ba Be Nationalpark. Dort gab es zwar (fast) keine lärmigen Motorbikes, dafür umso mehr Wasserbüffel, und noch viel mehr kreischende Hähne, welche uns jeweils ab 3 Uhr morgens nicht mehr schlafen liessen.

Nach einer wunderschönen Motorradtour in Ninh Binh zwischen steilen Kalkfelsen und saftig grünen Reisfeldern (siehe Artikel „Unterwegs auf Vietnams Landstrassen“) gingen wir zurück nach Hanoi, denn wir erwarteten Besuch aus der Schweiz: Unser langjähriger Freud Thomas G. besuchte uns für zehn Tage auf unserer Reise. Die Freude über seinen Besuch liess auch zwischenzeitliche Krankheit und „Reise-Durchhänger“ vergessen. Mit Thomas erlebten wir ein Highlight nach dem anderen: Zuerst besuchten wir die wohl spektakulärste Bucht der Welt, die „Halong Bay“ im Norden Vietnams. Die unzähligen riesigen Kalkfelsen, die steil aus dem smaragdgrünen Meer herausragen, waren schlicht umwerfend schön!

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Zusammen reisten wir weiter Richtung Hue und Hoi An in der Mitte des Landes. Dank Thomas’s Charme schafften wir es, eine ganze Hotel-Reception zum „We are the World“ singen zu überreden, wurden von zwei jungen Vietnamesinnen zum Spaghetti kochen in ihrer Wohnung eingeladen oder lernten das Geheimnis des „echten“ vietnamesischen Karaokes kennen. Thomas’s Charme auf die vietnamesischen Frauen war überwältigend: Praktisch in jeder Stadt wurde ihm direkt oder indirekt ein Heiratsantrag von einer jungen Dame gemacht. Einer dieser indirekten Heiratsanträge sah folgendermassen aus: Eine junge Hotelangestellte liess über eine Kollegin ausrichten, sie würde Thomas gerne kennen lernen. Als Thomas darum bat, die junge Frau doch einmal zu sehen, versteckte sie sich hinter dem Vorhang und traute sich nicht hervorzukommen. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass aus dieser Liebe nichts wurde…

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Überhaupt sind die Menschen in Vietnam mehrheitlich zurückhaltend, scheu und sehr traditionsbewusst. In Nordvietnam wirken sie eher kalt und verschlossen – was wahrscheinlich mit dem Vietnamkrieg zu erklären ist. Je weiter man Richtung Süden kommt, desto freundlicher, herzlicher und offener wirken sie. Dies kriegten wir vor allem im wunderschönen Mekong-Delta zu spüren, welches wir leider ohne Thomas bereisten – er musste uns in Ho Chi Minh bereits wieder in Richtung Schweiz verlassen. Es war wunderschön, nach 6 Monaten wieder ein vertrautes Gesicht zu sehen, gemeinsam neue Erlebnisse zu machen und endlich wieder einmal die von Thomas mitgebrachten Speisen aus der Heimat zu geniessen. (Niemand wird uns glauben, wie sehr man das Essen von Zuhause vermissen kann!!!)

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Das Mekong-Delta ist für uns ganz klar die schönste Region Vietnams: Es ist ein riesiges Gebiet voller grosser, kleiner, noch kleineren und noch viel kleineren Flüssen und Bächen, die durch eine äusserst fruchtbare Landschaft fliessen, sich immer wieder verzweigen und verästeln und irgendwann ins Meer übergehen. Es ist ein wahres Vergnügen, dieses Gebiet südlich von Ho Chi Minh per Motorrad und Boot zu erkunden (siehe Artikel „Unterwegs auf Vietnams Landstrassen“)! Wir haben uns geschworen, eines Tages zu den Kokospalmen und Reisfeldern hier zurückzukehren.

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Überhaupt sind wir, trotz Startschwierigkeiten, begeistert von Vietnam! Es ist bisher das wohl vielfältigste und abwechslungsreichste Land das wir besucht haben. Zwar muss man stets auf der Hut sein, von den geschäftstüchtigen Vietnamesen nicht über den Tisch gezogen zu werden – jeder möchte einem ständig irgend etwas verkaufen! – aber richtig schlechte Erfahrungen haben wir keine gemacht. (Abgesehen von einem Hotelzimmer, das wir bereits bezogen hatten, und das – als wir später zurück kamen – von einer anderen Person bewohnt wurde.)

Zudem ist Vietnam mit seinen vielfältigen Landschaften, Märkten, Ochsenpflügen, Spitzhüten etc. ein äusserst authentisches und ursprüngliches Reiseland (siehe Artikel „Vietnams Märkte“).

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Würde unser Visum nicht ablaufen, wären wir gerne noch ein paar Tage hier geblieben. Aber die Freude auf das, was als nächstes kommt, lässt die Trauer schnell vergessen: Mit Indien wartet wohl einer der grössten Leckerbissen dieser Reise auf uns!

Werden wir in Indien wohl zu Bollywood-Stars gekürt, oder werden wir unsere eigene Yoga- Tantra- oder Kamasutra-Sekte gründen?

Du erfährst es irgendwann im Februar – bleib dran!

Herzliche Grüsse,

Silvan & Veronica

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