Unterwegs auf Vietnams Landstrassen

…oder mit dem Motorrad auf Entdeckungsreise

Wir lieben es, mit dem Scooter unterwegs zu sein und fern vom Massentourismus die versteckten Nebenstrassen und somit Vietnams atemberaubende Landschaften zu erkundigen. In keinem anderen Land haben wir eine so abwechslungsreiche Landschaft entdeckt wie hier. Besonders schön war eine Tour im Norden (Ninh Binh), wo wir mit dem Motorrad zwischen riesigen Ananas-Plantagen und Reisfeldern unterwegs waren. Das alleine wäre ja noch nichts besonderes, wären da nicht diese riesigen Kalkfelsen, die wie Säulen senkrecht aus der Landschaft herausstechen und somit ein einzigartiges Bild schaffen. Entlang dieser Kalkfelsen fliessen oft kleine Flüsse, die durch teilweise riesige Tunnels unterhalb der Felsen miteinander verbunden sind. Mit Ruderbooten lässt sich diese atemberaubende Umgebung am besten erkunden.

DSC_8857       DSC_9023

Weiter südlich hat die Landschaft ein total anderes Gesicht: Von Hue aus (etwa in der Mitte des Landes) unternahmen wir eine Töff-Tour, die uns durch endlose Reisfelder und Gräber führte. Aber was haben denn Gräber mit den Reisfeldern zu tun? Offiziell gibt es hier keine Friedhöfe – die Hinterbliebenen müssen ihre Angehörigen auf ihrem Grundstück begraben. Deshalb sieht man oft mitten in den Reisfeldern oder hinter den Häusern riesige Grabsteine herausragen, welche der Landschaft ein sehr eigenes Bild geben.

DSC_9133   DSC_0246

Die Feldarbeit der vietnamesischen Bauern ist harte Knochenarbeit! Praktisch alles wird von Hand oder mit Hilfe von Ochsenpflügen verrichtet. Für Maschinen fehlt das Geld. Oftmals fühlten wir uns in eine andere Zeit zurückversetzt, wenn wir den Bauern bei der Arbeit auf den Reisfeldern zusahen. Egal wo wir auf unseren Motorrad-Touren hinkamen, die Leute haben sich stets zu uns umgedreht, uns gewunken und freundlich gegrüsst. Kamen wir jeweils in einem Dorf an oder besuchten die lokalen Märkte, waren wir die Attraktion des Tages, wenn nicht sogar des Monates oder Jahres. Vor allem mit den neugierigen Kindern kamen wir immer schnell in Kontakt.

DSC_9587      DSC_0263

Die wohl schönste Motorrad-Tour unternahmen wir im Mekong-Delta. In unserem „Lonely Planet“-Reiseführer steht geschrieben, dass es schwierig sei, dieses Gebiet auf eigene Faust zu erkundigen – geführte Touren seien sehr empfohlen! Und genau deshalb sind wir ohne Führer in die Stadt „Ben Tre“, mitten im Mekong-Delta gereist, haben uns einen Töff gemietet und sind losgefahren. Und wurden auch reichlich dafür belohnt!

DSC_0287      DSC_9579

Unsere Touren führten uns entlang leuchtend grüner Reisfelder und durch unzählige Kokos-Wälder, über versteckte und fast unpassierbare Feldwege und Brücken hin zu einsamen Häusern und Dörfern. So machten wir u.a. Bekanntschaften mit Honig-, Kokos oder Reisbauern und natürlich der „ganz normalen“ Landbevölkerung. Die Mehrheit unserer neuen „Freunde“ hatten wahrscheinlich zum erstem Mal überhaupt Kontakt mit Touristen! Immer wieder wurden wir mit Früchten, Honig oder anderen lokalen Köstlichkeiten bewirtet.

DSC_0139     DSC_0274

Die Einwohner Südvietnams sind an Herzlichkeit kaum zu überbieten! Eine der schönsten Begegnungen – man glaubt es kaum – war auf einer Beerdigung! Die traditionelle Live-Musik in einem festlich geschmückten Haus machte uns neugierig. Deshalb näherten wir uns und wurden hereingebeten und sofort mit Tee und Früchten bewirtet. Als wir dann den Sarg sahen, war für uns klar, dass dies kein normales Fest, sondern eine traditionelle Beerdigung war, wo sich die ganze Familie für drei Tage versammelt hat. Die Mutter eines alten Soldaten, der vor 45 Jahren zusammen mit den Amerikanern im Vietnamkrieg aktiv war (und deshalb ein paar Brocken Englisch sprach), war verstorben. Von Trauer war jedenfalls keine Spur (anscheinend weint man nur am ersten Tag), und so führten wir eine interessante Unterhaltung. Zum Abschied wurden wir mit einem Sack voller Früchte aus der Region beschenkt. Beerdigungen können auch schön sein.

DSC_0152    DSC_0481

Auf so einer Reise lernt man immer wieder Neues: Zum Beispiel haben wir die wohl speziellste Form des Recyclings kennen gelernt, die wir euch nicht vorenthalten möchten: In einem abgelegenen Restaurant haben wir nach der Toilette gefragt. Wir wurden hinters Haus geführt, wo ein Steg in einen Weiher führte. Am Ende des Steges war eine kleine Plattform mit einem Loch in der Mitte – also das WC. Kaum liess man etwas ins Wasser plumpsen, begann es unter einem zu sprodeln: Ein riesiger Schwarm grosser Fische stürmte heran und verschlang alles in Sekundenschnelle. Sofort war „Ordnung!“ Das wäre ja eigentlich gar nicht so schlimm – das Problem war mehr die Speisekarte des Restaurants: Es war ein Fisch-Restaurant!

(„Schatz, ich komm gleich, ich muss nur mal noch kurz die Fische füttern!“)

DSC_0032

Übrigens: Wie mietet man in Vietnam ein Motorrad? Ganz einfach: Man sagt im Hotel: „Ich möchte gerne ein Motorrad mieten.“ Der Receptionist antwortet: „Du kannst fahren, oder?“ Meine Antwort: „Ja, natürlich!“ Ich drücke ihm die 7 Dollar in die Hand, er gibt mir das Motorrad – und ab geht es… Niemand soll sagen, Vietnam sei ein bürokratisches Land!

P.S: Theoretisch wäre es in Vietnam für Ausländer eigentlich verboten, ein Motorrad zu mieten… Theoretisch!

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s