Myanmar: Unterwegs zwischen Buddhas und Pagoden

Als wir in Myanmar ankamen, dachten wir zuerst, dass wir mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit geflogen sind: Noch vor wenigen Stunden genossen wir den so bequemen Komfort der modernen südkoreanischen Grossstädte, und plötzlich befanden wir uns zwischen Bambushütten, Ochsenkarren und bettelnden Mönchen.

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Myanmar ist tatsächlich eines der ärmsten Länder der Welt. Bis vor wenigen Jahren waren die Grenzen noch dicht. Touristen durften das Land nicht bereisen. Nach und nach öffnet sich das Land nun dem Tourismus. Coca Cola ist in der Zwischenzeit überall erhältlich, Bancomaten gibt es nun in jeder Stadt, und Mobilfunk und Internet sind (in bescheidener Qualität) in den touristischen Zentren verbreitet. Als Tourist fühlt man sich sehr rasch wohl und willkommen: Die Menschen im „goldenen Land“ zeigen sich gegenüber Ausländern äusserst freundlich, respektvoll und zuvorkommend. Einzig in der Infrastruktur muss man gewisse Absrtiche machen (mehr Infos unter „Reisetips“).

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Trotz den immer grösser werdenden Touristenströmen ist das Land noch nicht vom Massentourismus beherrscht. Jedoch wird es wahrscheinlich nur noch wenige Jahre dauern, bis das Land seine „Unschuld“ und Ursprünglichkeit verloren hat: Hochhäuser, Einkaufscentren, Luxushotels etc. schiessen aus dem Boden wie Pilze! Seit die Grenzen geöffnet wurden, wittern ausländische Firmen das grosse Geschäft und investieren fleissig in Myanmar. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Ochsenkarren durch Traktoren ersetzt werden und die bunten Dorfmärkte den modernen Shoppingmalls weichen müssen. Selbstverständlich braucht das Land Fortschritt – die hygienischen Bedingungen sind katastrophal, die Leute wohnen teilweise noch wie im Mittelalter, im Bereich Schule/Bildung besteht riesiger Aufholbedarf… Das Problem ist ganz einfach, dass die Veränderungen zu schnell stattfinden und viele Menschen mit den schlagartigen Fortschritten überfordert sind. Ein weiteres Problem sind die politischen Unruhen: In vielen Gebieten herrscht Bürgerkrieg – es gibt über 130 verschiedene Stämme, und es wird noch eine lange Zeit dauern, bis diese (wenn überhaupt) einmal zu einem Land vereint sein werden. Diese Gebiete (geschätze 70 % des Landes) dürfen von Touristen nicht besucht werden, da es wegen den politischen Spannungen zu gefährlich ist. (Unvorstellbar, dass in einem Land mit knapp 2000 km Küstenlänge nur gerade 5 Strände für Touristen zugänglich sind…) In diesen Gebieten herrscht auch – wer hätte es anders gedacht – grosse Armut.

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Der Bevölkerung sieht man die Probleme nicht an: Überall wird gelächelt, die Menschen sind äusserst geduldig, tolerant und scheinen sehr zufrieden. Auf die Religion und bestimmte Traditionen wird in Myanmar besonderen Wert gelegt: Alt und Jung tragen mehrheitlich die „Longis“ (Stoff-Röcke), und Frauen und Kinder tragen sich noch heute als Kosmetik täglich eine ockerfarbene Paste einer speziellen Baumrinde ins Gesicht auf. Alles scheint noch sehr ursprünglich und echt. Die Buddhistischen Mönche, denen man täglich auf der Strasse begegnet, werden äusserst respektvoll behandelt. Sie müssen nie um Spenden betteln: Im Gegenteil, der „Geber“ ist dankbar, wenn er dem Mönch etwas spenden darf.

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Welchen Stellenwert der Buddhismus hat, zeigt sich auch an den unzähligen Klöstern, Tempeln und Pagoden, die überall zu sehen sind. Wohnt man nahe bei Klöstern, wird man teilweise Tag und Nacht ununterbrochen mit monotonen Gebeten aus Lautsprechern berieselt. Während Vero und ich am liebsten die Lautsprecher-Kabel durchgeschnitten hätten, scheint das die Buddhisten in keiner Art und Weise zu stören. Kriminalität gibt es in Myanmar so gut wie keine (und entsprechend fühlten wir uns immer sehr sicher): Auch dies ist höchstwahrscheinlich auf die Religion zurückzuführen.

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Auf unserer Reise durch Myanmar haben wir anfangs die klassische Touristenvariante gewählt: In Yangon, der ehemaligen Hauptstadt, besuchten wir all die wunderschönen Buddha-Statuen, Pagoden und Tempel. Das gleiche in Bagan: Die alte Tempel-Ruinenstadt ist, vor allem bei Sonnenauf- und Untergang, wirklich ein Highlight, das man auf keinen Fall verpassen darf.

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Der Inle-Lake mit seinen schwimmenden Gärten und den „mit einem Bein rudernden“ Fischern ist ebenfalls sehr reizvoll. Und die Stadt Mandalay (der Name Mandalay klingt doch einfach wundervoll!) ist eigentlich nichts Besonderes – es sei denn, man besucht die verschiedenen Vororte mit ihren wunderschönen Brücken, Tempeln und Pagoden.

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Und genau bei diesen Vororten, genauer gesagt in Sagaing Hill, sind wir „hängen“ geblieben. Mit Sabine und Katja, unseren zwei deutschen Reisefreundinnen, haben wir diese Vororte besucht und sind mehr oder weniger zufällig in einer Art Klosterschule für Waisenkinder und Kinder aus ärmsten Verhältnissen vorbeigekommen. Zum einen sind uns die zahlreichen kleinen lachenden Novizen und Nonnen in ihren weinroten und pinkfarbigen Robben sofort ans Herz gewachsen. Zum anderen haben wir sehr schnell erkannt, dass in dieser von einem buddhistischen Mönch geleiteten Schule wirklich sinnvolle und wichtige Arbeit geleistet wird: Über 2000 Kinder, die sonst keine Zukunft hätten, kriegen hier gratis ein Dach über dem Kopf, Verpflegung, und – das Allerwichtigste: Bildung! Um es kurz zu machen: Vero und ich haben beschlossen, für die verbleibenden zwei Wochen unseres Myanmar-Urlaubes in diese Schule zurückzukehren und hier in verschiedenen Bereichen, vor allem als Englischlehrer, mitzuhelfen. Und dies führte zum wohl schönsten und eindrücklichsten Abenteuer der bisherigen Reise! (Mehr dazu im Artikel „Tu Gutes und sprich darüber…“)

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