Erste Schritte in Russland

Schon über eine Woche sind wir nun in Russland. Und um es gleich vorwegzunehmen: Es gefällt uns hier ausgezeichnet!

Um ganz ehrlich zu sein: Wir sind (obwohl wir das eigentlich nicht wollten) voller mehrheitlich negativer Vorurteile nach Russland gereist. In den Baltischen Staaten wurde nicht besonders positiv vom grössten Land der Welt und vor allem seiner Bevölkerung gesprochen. Aber beginnen wir ganz vorne:

Die letzten Tage in Estland waren traumhaft! Wir durften bei einer Familie in der Hauptstadt Tallinn wohnen, wo wir uns vom ersten Moment an wie zu Hause fühlten und sogar das Auto für Tagesausflüge benutzen durften. Gert, der 13 jährige Sohn dieser Familie hat uns interessante Details aus seinem Schulalltag in Estland erzählt. Hier ein Muster: Im Sommer wie auch im Winter findet der Sportunterricht seiner Schule im Freien statt. Nur wenn es im Winter kälter als als – 10 Grad (!) ist , dann wird der Sportunterricht in die Halle verlegt.

Die Einreise nach Russland verlief problemlos. Zwar war die Busfahrt von Tallinn nach St. Petersburg ziemlich anstrengend , da wir in der Nacht reisten und wegen Zollformalitäten mehrfach geweckt wurden und aussteigen mussten. Aber wie gesagt: abgesehen von den bösen Gesichtern der russischen Zöllner, die jede Seite von Veros ecuadorianischem Pass minutiös überprüften, war es kein Problem. Aber für dieses exakte Überprüfen gibt es auch eine Erklärung: Ecuadorianer sind wahrscheinlich eines der einzigen Völker, die für die Einreise nach Russland kein Visum benötigen. Nach längeren Abklärungen schienen das denn auch die russischen Zöllner herausgefunden zu haben.

St. Petersburg, das „Venedig des Nordens“, ist unseres Erachtens wahrscheinlich eine der schönsten Städte überhaupt. Nie zuvor haben wir so viele wunderschöne architektonische Meisterwerke in einer Stadt gesehen. Besonders zu erwähnen sind der Winterpalast oder der Peterhof (siehe Fotos).

Auch Moskau gefällt uns sehr gut. Nur von der Grösse der Basilius-Kathedrale, dem Wahrzeichen dieser Stadt, waren wir etwas enttäuscht – im Fernsehen sieht die doch immer so gross aus! Einzigartig waren auch Moskaus Metro-Stationen (mit den wohl längsten Rolltreppen der Welt), die mit ihren Bronzestatuen, Mosaiken, Marmorsäulen, Kronleuchtern etc. teilweise mehr an Paläste oder Museen erinnern.

Obwohl unser Russisch-Wortschatz äusserst beschränkt ist, kommen wir immer wieder in Kontakt mit Einheimischen. Die Leute sind sehr neugierig und interessiert an Fremdem – oft werden wir angesprochen. Ob wir verheiratet sind und Kinder haben ist immer eine der ersten Fragen, die uns gestellt wird. Uns interessiert vor allem, wie die Menschen hier die aktuelle politische Situation (Ukraine, EU-Sanktionen, Präsident Putin, Pussy Riot etc.) wahrnehmen. Eines ist klar: Die Krise ist ein Thema und viele Leute hier haben grosse Angst davor.

Die „freie Meinungsäusserung“ in Russland wurde uns wie folgt beschrieben: „You are free to say what you want – but you are no more free after!“ Oder in Form eines Witzes ausgedürckt: Ein Amerikaner und ein Russe treffen sich. Der Amerikaner sagt: „Weißt du, in meinem Land kann ich ohne Probleme vors Weisse Haus stehen und in voller Lautstärke schreien: „Barack Obama ist ein Riesen-Arschloch!“ – und mir passiert rein gar nichts!“ Darauf entgegnet der Russe völlig erstaunt: „Und was soll daran speziell sein? Auch ich kann in meinem Land vor den Kreml stehen und in voller Lautstärke schreien: „Barack Obama ist ein Riesen-Arschloch!“ Und auch mir wird nichts passieren!“

Wir sind erstaunt, wie hilfsbereit die Menschen hier sind. Zwar wirken sie auf den ersten Blick sehr kalt – Aber kaum ist man mit ihnen in Kontakt getreten, sind sie sofort sehr herzlich. Besonders wenn wir etwas nicht verstehen, versuchen sie uns mit Händen und Füssen weiterzuhelfen – und wenn auch das nicht geht, dann holen sie Hilfe, bis das Problem gelöst ist.

Dass „Vladimir“ bereits zum Frühstück eine Flasche Vodka (auf Deutsch „Wässerchen“) trinkt, können wir nach über einer Woche Russland noch überhaupt nicht bestätigen. Ehrlich gesagt haben wir seit wir hier sind noch nie jemanden Vodka trinken sehen. (Als wir das erste Mal mit einer Gruppe Russen zusammen sassen und erwartungsvoll auf unseren ersten Vodka warteten, wurde zu unserer Enttäuschung „nur“ Tee und Kuchen aufgetischt.)

Ein Vorurteil, welches sich aber bestätigt hat, sind die auffallend hübschen Frauen. Diese scheinen hier bereits im Mini-Rock und mit High-Heels an den Füssen geboren worden zu sein. Das mit dem Pelzmantel können wir jedoch absolut nicht bestätigen – aber das hängt höchstwahrscheinlich damit zusammen, dass es bisher jeden Tag 30 – 35 Grad heiss war.

Noch eine kleine Geschichte zum Abschluss:

In jedem Land, wo wir bisher gereist sind, wurden wir immer vor Dieben in der Metro gewarnt. Hier haben wir eine gegenteilige Erfahrung gemacht: In Moskau in der Metro sprach uns plötzlich ein älterer, fremder Mann an, drückte uns eine riesige Wassermelone in die Hand und lächelte „Present, Present!“

In welchem anderen Land wird in der Metro statt geklaut geschenkt?

Was wir auf unserer Reise durch Sibirien erleben, und wann (und ob) wir zu unserem ersten Vodka kommen, erfährt ihr im nächsten Bericht – bleibt dran!

Liebesgrüsse aus Moskau,

Silvan & Veronica

 

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